Verkosten in der Region Oregon

Kirsche, Erde, Salz

Verkosten

Die Farbe überrascht fast jeden beim ersten Glas. Hell, fast wie ein kräftiger Rosé, mit einem durchscheinenden Rand. Das täuscht über die Intensität hinweg, die gleich in der Nase kommt. Dazu kommen Sauerkirsche, manchmal Preiselbeere und ein feuchter, erdiger Ton, der an frisch gewendetes Laub erinnert.

Im Mund fällt zuerst die Säure auf. Sie wirkt spannend, fast salzig, und lässt den Wein trotz seiner Leichtigkeit nicht dünn wirken. Das Tannin, jener trocknende, leicht pelzige Griff auf Zunge und Zahnfleisch, bleibt fein und rundet sich rasch ab, anders als bei kräftigeren Rotweinen aus wärmeren Ländern. Der Alkohol liegt meist zwischen zwölfeinhalb und dreizehneinhalb Prozent. Das ist spürbar niedriger als bei den meisten kalifornischen Pinots.

Wer zwei Flaschen nebeneinander verkostet, eine von Jory- und eine von Willakenzie-Boden, findet den Unterschied schneller, als man denkt. Der eine schmeckt runder, nach Kirsche und rotem Johannisbeersaft. Der andere wirkt straffer und dunkler. Er trägt eine feine salzige Kante. Genau diese Vergleiche haben viele Weingüter im Willamette Valley dazu gebracht, ihre besten Einzellagen getrennt abzufüllen, statt sie zu einem einzigen Wein zu verschneiden – eine Praxis, die Eyrie Vineyards schon in den Siebzigern begann.

Ganz anders schmeckt ein Tempranillo aus dem Umpqua Valley oder ein Syrah aus dem Rogue Valley: dunklere Frucht, mehr Wärme, festeres Tannin, oft mit einer würzigen, an schwarzen Pfeffer erinnernden Note. Zwischen diesen beiden Verkostungen liegt fast das ganze Spektrum, das ein einziger US-Bundesstaat an Wein zu bieten hat. Dazwischen liegen keine zweihundert Kilometer Luftlinie.

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