Rebsorten in der Region Oregon

Pinot bis Tempranillo

Rebsorten

Eine Rebsorte prägt den Staat wie keine zweite. Pinot Noir steht in Oregon auf weit mehr Fläche als jede andere Sorte, vor allem im Willamette Valley, wo ihr das kühle, launische Klima mehr abverlangt als in fast jeder anderen Region der Neuen Welt. Andere Sorten folgen erst mit weitem Abstand. Sie reift spät. In einem nassen Herbst kann eine ganze Ernte innerhalb weniger Tage kippen.

Fast ebenso wichtig ist ihr weißer Cousin. Pinot Gris kam über dieselben Pioniere ins Land und wuchs zur meistgepflanzten weißen Sorte Oregons heran, trocken ausgebaut, mit einer Säure, die eher an eine reife Birne mit Zitronenschale erinnert als an die süßlicheren italienischen Massenweine gleichen Namens. Dazu kommen kleinere Mengen Chardonnay und Riesling. Beide sind in den letzten zwanzig Jahren spürbar besser geworden, seit man sie auf kühlere Hanglagen verlegt hat.

Oregon regelt das Etikett strenger als der Bund. Das schützt die Herkunft. Die US-Bundesregel verlangt für einen sortenreinen Wein nur 75 Prozent der genannten Rebsorte, doch Oregon verlangt für Pinot Noir, Pinot Gris, Chardonnay und rund fünfzig weitere Sorten mindestens 90 Prozent davon. Nur achtzehn wärmeliebende Sorten sind ausgenommen. Sie dürfen wie im Rest der USA bis zu einem Viertel mit anderen Sorten verschnitten werden, darunter Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Zinfandel, Sorten, die ohnehin eher im warmen Süden des Staates wachsen.

Genau dort, im Umpqua Valley, bewiesen 1995 zwei Wissenschaftler ohne jede Kellererfahrung, dass Oregon mehr kann als Pinot. Niemand hatte das vorher versucht. Earl und Hilda Jones zogen von der Ostküste hierher und pflanzten als Erste in den USA in größerem Stil Tempranillo, jene spanische Rotweinsorte, die sonst vor allem aus der Rioja bekannt ist. Ihr Weingut Abacela zeigte, dass ein trockeneres, wärmeres Tal wenige hundert Kilometer südlich vom Willamette Valley ganz eigenen Regeln folgt.

Im noch heißeren Rogue Valley ganz im Süden gedeihen Syrah und Tempranillo bis heute. Das Klima erlaubt es. Manchmal wachsen dort sogar Sorten aus dem Rhône-Tal wie Viognier. Zwischen der kühlsten Ecke bei Portland und der wärmsten an der kalifornischen Grenze liegen mehr Klimaunterschiede, als die Fläche des Staates vermuten lässt.

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