Verkosten in der Region Sonoma

Nebel trifft Frucht

Verkosten

Der hellste Wein einer Sonoma-Probe kommt fast immer zuerst: Pinot Noir aus dem Russian River Valley. In der Farbe wirkt er fast durchscheinend, eher ein tiefes Rosé als klassisches Rot, aber täusch dich nicht. In der Nase liegt reife rote Kirsche neben einem erdigen Ton, der an feuchtes Laub erinnert, manchmal ergänzt durch eine florale Note. Am Gaumen ist die Säure spürbar höher als bei den meisten Rotweinen, und genau diese Frische macht ihn zum idealen Essensbegleiter.

Der Chardonnay derselben Gegend kann zwei völlig verschiedene Gesichter zeigen. Manche Winzer lassen ihn schlank und ohne viel Holz, mit Aromen nach grünem Apfel und Zitrusschale. Andere bauen ihn im Barrique aus. Dadurch bekommt er Noten von Butter, geröstetem Brot und reifer Birne. Beide Stile stammen aus demselben kühlen Nebel, nur der Keller entscheidet über die Richtung. Wer beide nebeneinander probiert, versteht sofort, wie viel Stilfreiheit in einer einzigen Traube steckt.

Ganz anders schmeckt Zinfandel aus dem Dry Creek Valley: Er ist dunkler in der Farbe, wärmer im Alkohol, mit Aromen nach eingekochter Brombeere, Lakritz und schwarzem Pfeffer. Der alte Wortstreit, ob Zinfandel überhaupt trocken ausgebaut wird oder eher süßlich wirkt, klärt sich beim ersten Schluck von selbst. Ein gut gemachter Zinfandel ist staubtrocken, auch wenn die Frucht so konzentriert schmeckt, dass man Restzucker vermuten könnte. Diese Verwechslung passiert selbst erfahrenen Trinkern.

Zum Schluss kommt Cabernet Sauvignon aus dem Alexander Valley, der kräftigste und langlebigste Wein der Probe. Schwarze Johannisbeere, etwas Minze und ein Hauch Zedernholz aus dem Fass bestimmen die Nase, während am Gaumen die Tannine spürbar mehr Struktur geben als bei den anderen drei Weinen. Schwenke das Glas, bevor du riechst. Dadurch verdunstet mehr Alkohol an der Luft, und die Frucht kommt klarer durch. Am Ende der Reihe merkt man, wie unterschiedlich ein einziger Landkreis schmecken kann.

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