
Frucht statt Rauch
Verkosten
Rauch sucht man in Victoria meist vergeblich, anders als auf Islay. Der typische Whisky aus Melbourne schmeckt nach dem, was vorher im Fass war. Rote Beeren, dunkle Trockenfrüchte und eine Süße, die eher an ein Glas Shiraz erinnert als an eine rauchige Feuerstelle.
Am besten probiert man ihn aus einem schmalen Nosing-Glas, das die Aromen bündelt. Dazu passen ein paar Tropfen stilles Wasser. Sie öffnen vor allem bei den kräftigeren, in Fassstärke abgefüllten Varianten die Fruchtnoten, statt sie zu ertränken.
Starward Nova zeigt diesen Stil in Reinform. 2016 wurde er zur besten handwerklich gebrannten Whisky-Neuheit der Welt gekürt. Er reift in einer Mischung aus roten Weinfässern und schmeckt entsprechend nach Beeren, Vanille und einer leichten Würze, die an warmes Holz erinnert.
Wer trotzdem Rauch will, findet ihn bei Bakery Hill aus Bayswater. Der Peated Malt ist eine der wenigen getorften Abfüllungen des Kontinents. Er zeigt, dass Victoria den rauchigen Stil zwar selten, aber durchaus beherrscht.
Einen ganz eigenen Weg geht der Roggen-Malt-Whisky von Archie Rose aus Sydney, 2020 als bester Roggenwhisky der Welt ausgezeichnet. Er schmeckt würziger und schärfer als die weichen Weinfass-Whiskys aus Victoria. Trotzdem zeigt er gut, wie breit das Spektrum auf dem australischen Festland inzwischen ist.
Auch aus Westaustralien lohnt ein Blick über den Tellerrand. Limeburners aus Albany wurde 2017 und erneut 2020 von der American Distilling Institute zum besten internationalen Craft-Whisky gekürt. Verglichen mit den Weinfass-Whiskys aus Victoria schmeckt er geradliniger, ein Hinweis darauf, wie unterschiedlich australischer Whisky trotz ähnlicher Fässer ausfallen kann.