
Kupfer & Form
Brennen
Jedes Brennhaus in Speyside hat eine eigene Form, und genau darin liegt die Vielfalt der Region. Bei Glenfiddich und The Glenlivet stehen hohe, schlanke Brennblasen mit langem Hals. Darin bleiben die schweren Dampfteile immer wieder an der Kupferwand hängen, ehe der leichte, fruchtige Rest oben entweicht.
Bei The Macallan ist es umgekehrt: Dort stehen einige der kleinsten Brennblasen der ganzen Region, bauchig und kurz. Weniger Kupferkontakt bedeutet mehr schwere Aromen im fertigen Brand. Es entsteht ein dichter, öliger Charakter, der sich später gut mit Sherryfässern verträgt.
Am eigenwilligsten brennt Mortlach in Dufftown. Sechs Brennblasen in sechs verschiedenen Formen arbeiten dort zusammen. Ein Teil des Rohbrands läuft gleich dreimal durch die kleinste Blase, die im Haus nur die Hexe genannt wird. Am Ende kommt eine Mischung heraus, die Kenner auf das 2,81-fache destilliert nennen, weder doppelt noch dreifach im gewohnten Sinn.
Mortlach kühlt seinen Brand zudem in alten Würmern, langen Kupferschlangen in Wassertrögen, statt in modernen Röhrenkühlern. Der Dampf kommt darin länger mit weniger Kupfer in Berührung. Darum bleibt der Brand schwerer und schwefliger, fast fleischig im Geschmack. Auch Cragganmore und Dailuaine arbeiten mit diesem alten Prinzip.
Die meisten anderen Brennereien der Region setzen dagegen auf moderne Röhrenkühler. Sie brennen, wie in Schottland üblich, genau zweimal: einmal zum groben Rohbrand, einmal zum feinen Mittellauf, den der Brenner von Hand am Vorlauf und Nachlauf trennt. Diese zweifache Destillation bleibt trotz aller Unterschiede in Form und Größe der gemeinsame Nenner von Speyside.