
Roggen zuerst
Getreide
Whisky-Regionen werden oft am Wasser oder an der Brennblase festgemacht. Im Nordosten beginnt die Geschichte beim Korn: Roggen wächst hier, wo Mais und Gerste an kalten Wintern und dünnen, steinigen Böden scheitern. Genau deshalb griffen die ersten Brenner in Pennsylvania und Maryland zu ihm, nicht aus Vorliebe, sondern weil es das Getreide war, das ihr Land hergab.
Gesetzlich reicht in den USA schon eine Maische mit 51 Prozent Roggen, um sich „Rye Whiskey“ zu nennen, der Rest darf Mais oder Gerstenmalz sein. Im Nordosten liegt der Anteil meist weit darüber. Dad's Hat aus Pennsylvania brennt mit rund 80 Prozent Roggen, Coppersea im Hudson Valley sogar mit 100 Prozent, gemälzt und ungemälzt gemischt.
New York geht noch weiter. Seit 2015 darf sich Whiskey nur „Empire Rye“ nennen, wenn mindestens 75 Prozent des Getreides Roggen ist, in New York angebaut, und der ganze Brand von der Maische bis zur Abfüllung in einer einzigen Brennerei entsteht. Bei Bourbon aus Kentucky ist es egal, woher das Getreide stammt. In New York nicht.
Ganz anders läuft es eine Etage weiter westlich, in Lawrenceburg, Indiana. Dort mischt MGP Ingredients seit Jahrzehnten eine Maische aus 95 Prozent Roggen und 5 Prozent Gerstenmalz, in Mengen, von denen ein Craft-Brenner nur träumen kann. Ein großer Teil des Rye Whiskeys, der in amerikanischen Bars unter fremdem Namen steht, kommt am Ende aus genau diesem einen Kessel.