
Nur Gerste zählt
Getreide
Bourbon lebt vom Mais, Rye vom Roggen, doch in Washington und Oregon zählt seit 2025 nur ein Korn: hundert Prozent gemälzte Gerste. So schreibt es die neue Standard of Identity der amerikanischen Steuer- und Handelsbehörde TTB vor, veröffentlicht im Bundesanzeiger am 18. Dezember 2024 und gültig seit dem 19. Januar 2025.
Die Regel verlangt mehr als nur das Korn. Gebrannt werden darf höchstens auf 160 US-Proof, das Fass darf maximal 700 Liter fassen, und in der Flasche müssen mindestens 80 Proof stehen. Wer schon vor dem Stichtag abgefüllt hat, darf die alte Beschriftung noch bis Januar 2030 verkaufen.
Das Korn selbst kommt oft aus der eigenen Nachbarschaft. Skagit Valley Malting, eine Handwerksmälzerei eine Autostunde nördlich von Seattle, beliefert sowohl Westland als auch Copperworks mit Malz aus lokal angebauter Gerste.
Zwei Sorten stechen hervor: Fritz, eine an der Washington State University gezüchtete Gerste, die im feuchten Westen des Staates besonders prall wächst, und Talisman, eine britische Wintergerste mit Wurzeln in der berühmten Sorte Maris Otter.
Westward in Portland geht einen eigenen Weg beim Maischen. Statt gewöhnlicher Brennereihefe kommt Bierhefe zum Einsatz, die neunzig Minuten lang bei der Maische arbeitet, bevor die Gärung beginnt. Das Ergebnis schmeckt fruchtiger und weicher als eine Maische mit reiner Brennhefe, ein kleiner, aber hörbarer Unterschied im fertigen Whiskey.
Die hundert Prozent Gerste unterscheiden die Region deutlich von den Bourbon-Staaten im Süden, wo Mais den Ton angibt, und machen aus Washington und Oregon ein Stück amerikanischer Whiskylandschaft, das näher an Schottland liegt als an Kentucky, zumindest beim Korn.