
Kalt, klar, gesellig
Trinkkultur
An einem kalten Winterabend gehört der erste Schluck Kossu für viele Finnen einfach dazu. Das Glas ist beschlagen vom Frost, noch bevor überhaupt ein Wort über den Abend fällt.
„Kippis!“ heißt in Finnland Prost, meist mit einem kleinen, eiskalten Glas Kossu direkt aus dem Gefrierfach. Wodka wird in aller Regel pur getrunken, nicht auf Eis, das würde ihn nur verwässern.
Schon bevor es die fertige Mischung gab, rührten Bars in Finnland Wodka selbst mit salzigen Lakritzbonbons der Marke Tyrkisk Peber an. Daraus entstand später Salmiakki Koskenkorva im großen Stil.
Wie ernst der Staat das Thema nimmt, zeigte der fertig gemischte Salmiakki Koskenkorva. Alko brachte die schwarze, nach salzigem Lakritz schmeckende Mischung 1990 auf den Markt. Sie verkaufte sich so gut, dass die eigene Alkoholbehörde sie kurz darauf wieder verbot. Von 1993 bis 1995 durfte sie nicht verkauft werden, ehe sie zurück in die Regale kam.
Bis heute ist Alko der einzige Einzelhändler für stärkere alkoholische Getränke in Finnland, kleinere Läden dürfen nur schwächere Biere und Mischgetränke verkaufen. Auch die Öffnungszeiten sind streng geregelt, sonntags und an vielen Feiertagen bleiben die Läden geschlossen.
Werbung für hochprozentigen Alkohol ist in Finnland stark eingeschränkt, auf Plakaten oder in Supermarktregalen sucht man Kossu vergeblich. Wer die Marke kennt, kennt sie aus dem eigenen Umfeld, nicht aus einer Kampagne. Das passt zu einer eher zurückhaltenden finnischen Art, mit hochprozentigem Alkohol umzugehen, ganz ohne große Gesten oder laute Trinksprüche, weder am eigenen Küchentisch noch in der Öffentlichkeit.