
Klar, süß, salzig
Verkosten
Auf dem Tisch stehen die kleinen, schmalen Gläser, die in Finnland zum Wodka gehören, kaum größer als ein Fingerhut. Jedes Glas kommt eisig aus dem Gefrierfach.
Wer die drei bekanntesten Abfüllungen aus Ilmajoki nebeneinander probiert, schmeckt vor allem den Unterschied einer einzigen Zutat: Zucker. Koskenkorva Viina mit 38 Prozent bekommt beim Verdünnen eine kleine Menge Zucker zugesetzt und wirkt dadurch runder und leicht süßlich.
Finlandia, mit 40 Prozent etwas stärker, verlässt dieselbe Anlage ohne Zucker und schmeckt entsprechend trockener und klarer. Salmiakki Koskenkorva ist dagegen kein reiner Wodka mehr, sondern ein Likör. Die salzige, an Ammoniumchlorid erinnernde Lakritznote von finnischem Salmiakki überdeckt den Alkohol fast vollständig.
Koskenkorva Viina Ruis, eine Ausgabe auf Roggenbasis statt Gerste, zeigt zusätzlich, wie stark schon die Wahl des Getreides den Charakter verändert. Sie wirkt kräftiger und erdiger als die Gerstenversion.
In Finnland selbst heißt das klare Getränk traditionell viina, nicht wodka. Das Wort auf dem Etikett steht nur wegen EU-Vorschriften dort. Wer das weiß, hört beim Verkosten genauer hin, statt automatisch an ein internationales Klischee zu denken.
Zum Probieren reicht ein kleines Glas, pur und gut gekühlt, am besten direkt aus dem Gefrierfach. Erst kurz daran riechen, dann in kleinen Schlucken trinken, nicht in einem Zug. Die Kälte dämpft den Geruchssinn zunächst, erst beim zweiten oder dritten Schluck geben sich feinere Nuancen zu erkennen. Zwischen der gezuckerten und der ungezuckerten Abfüllung aus derselben Anlage liegt so ein Unterschied, den man erst im direkten Vergleich wirklich schmeckt.