
Stahl, Kupfer, Diskrepanz
Brennen & Rektifikation
Bevor überhaupt destilliert wird, muss der Weizen aus der Picardie erst zu Maische werden: geschrotet, mit Wasser vermischt und mit Hefe versetzt, die den enthaltenen Zucker über mehrere Tage zu Alkohol vergärt. Das Ergebnis ist ein schwacher, trüber Sud, der noch weit von Wodka entfernt ist.
Hier beginnt allerdings eine kleine Uneinigkeit in den Quellen. Der Markenauftritt von Grey Goose spricht heute von einer einzigen Destillation in Kolonnen aus Stahl und Kupfer. Ältere, unabhängige Beschreibungen, etwa im „Oxford Companion to Spirits and Cocktails“, nennen dagegen eine eigens gebaute, mehrstufige Kolonnenanlage in der Picardie. Diese rektifiziert die Maische mehrfach. Beide Angaben lassen sich belegen, sie widersprechen sich nur in der Zahl.
Rektifikation heißt in jedem Fall dasselbe: Der Dampf steigt in der Kolonne auf, kühlt ab, tropft zurück und steigt erneut auf, Stufe für Stufe. Bei jedem Durchgang wird der Alkohol reiner, und die Begleitstoffe aus Getreide und Gärung nehmen ab. Am Ende der Kolonne steht ein fast geschmacksneutraler Feinbrand mit weit über neunzig Prozent Alkohol. Er wird erst mit dem Quellwasser aus Gensac-la-Pallue auf Trinkstärke verdünnt.
Abgefüllt wird mit 40 % vol, deutlich über der EU-Mindestgrenze von 37,5 % vol für Wodka. Cîroc geht einen zusätzlichen Schritt weiter: Der Traubenwein wird viermal in Kolonnen gebrannt. Ein fünftes Mal läuft er durch eine traditionelle Kupferbrennblase im Haus Villevert in Salles-d'Angles, unter der Leitung von Jean-Sébastien Robicquet. Diese letzte Destillation in der Brennblase ist ein Verfahren, das sonst eher bei Cognac selbst als bei Wodka verwendet wird.