
Kornkammer Zemgale
Rohstoff
Südlich von Riga beginnt die Zemgale, eine weite, flache Ebene. Die Letten nennen sie seit jeher die Kornkammer des Landes. Weizen und Roggen wachsen hier auf schwerem, kalkhaltigem Lehm, den die letzte Eiszeit hinterlassen hat. Im Sommer fegt der Wind fast ungehindert über die Felder, denn nennenswerte Hügel gibt es in dieser Landschaft kaum.
2018 erntete Lettland rund 1,4 Millionen Tonnen Weizen und 81.000 Tonnen Roggen, dazu 426.000 Tonnen Kartoffeln. Die Zahlen zeigen, wohin sich das Land seit der Sowjetzeit entwickelt hat: weg von der Kartoffel, stärker hin zum Getreide. Für Stolichnaya, den bekanntesten Wodka aus Riga, ist das kein Zufall. Die überlieferte Rezeptur verlangt genau diese Mischung aus Weizen und Roggen, keine andere Kombination.
Der Roggen bringt eine leise Schärfe mit, die sich im fertigen Wodka als warmes Prickeln im Abgang zeigt. Der Weizen macht das Destillat dagegen weicher und etwas süßer. Kartoffelwodka schmeckt erdiger und schwerer auf der Zunge, und genau das ist in Riga nicht das Ziel. Die EU-Spirituosenverordnung 2019/787 verlangt eine Kennzeichnung des Rohstoffs nur, wenn er weder Kartoffel noch Getreide ist. Für einen Weizen-Roggen-Wodka aus Riga entfällt diese Pflicht also.
Der Boden der Zemgale erklärt, warum das Getreide hier so kräftig ausfällt. Kalkreicher Geschiebelehm, von Gletschern über Jahrtausende zusammengeschoben, hält Wasser und Nährstoffe gleichermaßen fest. Wo der Lehm dünner wird, etwa an den Rändern zur Daugava-Niederung, wächst eher die Kartoffel. Sie kommt mit sandigeren, leichteren Böden besser zurecht als der anspruchsvollere Roggen.
dunkler, humusreicher Lehm der Zemgale-Ebene, mit Kalk aus dem eiszeitlichen Geschiebe angereichert
Die Wurzel: Hier ziehen Weizen und Roggen ihre Nährstoffe, das Korn wird kräftig und stärkereich.