
Nemunas & Neris
Wasser & Klima
Zwei Flüsse geben Kaunas seine Lage. Der Nemunas ist mit weitem Abstand der längste Strom Litauens, die kleinere Neris mündet hier in ihn. Schon zu Zarenzeiten war der Nemunas für Frachtschiffe befahrbar.
Flussabwärts staut ein Wasserkraftwerk den Nemunas zu den Kaunaer Meeren auf, einem langgezogenen Stausee. Für die Landwirtschaft im Umland zählt aber weniger der Fluss selbst als das Grundwasser. Es sickert durch die sandigen und kiesigen Schichten der eiszeitlichen Moränenebene und wird dabei auf natürliche Weise gefiltert.
Kalte Winter mit häufigem Schnee und oft klirrenden Minusgraden prägen das Klima um Kaunas. Es ist gemäßigt-kontinental, mit milden bis warmen Sommern um 18 bis 20 Grad. Niederschlag fällt übers ganze Jahr verteilt, mit einem Schwerpunkt im Sommer, wenn der Roggen auf den Feldern seine Körner füllt.
Für die Brennerei bedeutet dieser Rhythmus feste Termine. Geerntet wird im Spätsommer, die Maische setzt im frühen Herbst an. Der lange, kalte Winter bremst danach jeden Gärprozess von selbst, der sonst zu hastig verlaufen würde.
Ein Teil des Roggens wird im Herbst als Wintergetreide ausgesät. Er übersteht die kalten Monate unter einer Schneedecke, die wie eine Isolierschicht wirkt, und wächst erst im Frühjahr weiter.
Wer im Januar durch Kaunas geht und den Wind vom halb zugefrorenen Stausee spürt, versteht schnell, warum eiskalter Wodka hier näherliegt als laues Bier aus dem Fass. Das Wasser dafür kommt aus genau dieser Landschaft, gekühlt vom selben Winter, der draußen die Felder ruhen lässt.