
Rund & Erdig
Verkosten
Ein guter Kartoffelwodka aus der Region riecht kaum nach der Knolle selbst. Stattdessen liegt ein dezenter Ton von gekochtem Getreide mit einer leichten, cremigen Süße im Hintergrund. Wer ihn probiert, sollte das Glas erst kurz unter die Nase halten, bevor er überhaupt trinkt. Oft zeigt sich die volle Textur erst beim zweiten Zug.
Die Luksusowa, deren Kartoffeln laut Hersteller aus Wielkopolska und Pommern stammen, zeigt diesen runden, fast öligen Körper besonders deutlich. Sie schmeckt mild am Anfang, mit einem weichen, leicht süßlichen Abgang. Sie eignet sich gut, um den Unterschied zu einem Getreidewodka direkt zu schmecken.
Die Wyborowa, deren Name und Geschichte 1823 in Poznań begann, wird dagegen meist aus Roggen gebrannt. Sie schmeckt schlanker, trockener und etwas schärfer auf der Zunge. Beide Flaschen tragen den Namen derselben Stadt, stehen aber für zwei unterschiedliche Rohstoffe und Geschmacksrichtungen. Diese Gegenüberstellung macht die Region zu einem verlässlichen Vergleichspunkt.
Zum Probieren reicht ein kleines, schmales Glas, gekühlt, aber nicht so eisig, dass die Zunge taub wird und nichts mehr schmeckt. Ein kurzer Schluck, kurz im Mund behalten, dann schlucken. Der Nachgeschmack verrät mehr als hastiges Kippen.
Zwischen zwei Sorten hilft ein neutraler Bissen, etwas Weißbrot oder eine Gurkenscheibe, um die Zunge zurückzusetzen. So lässt sich der Unterschied zwischen der schweren Kartoffel und dem schlankeren Roggen aus derselben Stadt sauber auseinanderhalten. Genau dieser Vergleich zeigt, wie stark der Rohstoff den Charakter prägt.