
Brunnen & Baikalsee
Wasser & Klima
Zweihundertfünfzig Meter tief liegt der artesische Brunnen, aus dem die Brennerei in Mariinsk ihr Wasser holt. In dieser Tiefe hat der Boden Verunreinigungen längst herausgefiltert. Das Wasser kommt kühl und mineralarm an die Oberfläche, bevor es in die Maische kommt.
Weiter östlich liefert der Baikalsee das Wasser für eine gleichnamige Wodkamarke. Der See ist nach Angaben von Geologen etwa fünfundzwanzig Millionen Jahre alt. Er enthält mehr Süßwasser als jeder andere See der Erde. Für die Marke wird das Wasser aus rund fünfhundert Metern Tiefe entnommen, wo laut Hersteller kaum Mikroorganismen vorkommen.
Das Klima in Sibirien kennt kaum Übergänge. Auf einen kurzen, oft heißen Sommer folgt ein langer Winter mit tagelangem Dauerfrost. Flüsse und kleinere Seen können darin bis auf den Grund frieren. Brennereien müssen Wasser und Rohstoffe vor der kalten Jahreszeit einlagern, weil Transportwege im Winter unsicher werden.
Durch die Kornkammern im Süden fließen der Ob und sein Nebenfluss Irtysch, an dem auch Omsk liegt. Schon die Kosaken nutzten ihn bei der Eroberung Sibiriens im sechzehnten Jahrhundert als Wasserweg. Beide Flüsse liefern heute Wasser für Landwirtschaft und Industrie, bevor sie weiter im Norden durch die Permafrostzonen Richtung Arktis fließen.
Im Süden, wo Getreide wächst, taut der Boden im Sommer vollständig auf. Weiter nördlich und östlich beginnt dagegen der Permafrost, gefrorener Untergrund. Er taut selbst im Hochsommer nicht ganz auf und stellt Bauprojekte wie Brennereien vor eigene technische Aufgaben.
Diese Gegensätze zwischen Steppe im Süden und Dauerfrost im Norden erklären, warum sibirischer Wodka je nach Herkunftsort unterschiedliche Wasserquellen nutzt, von tiefen Brunnen bis zum jahrtausendealten See.