Verkosten in der Region St. Petersburg & Nordwesten

Rein, kalt, klar

Verkosten

Vierzig Prozent, heißt es oft, habe ein Chemiker aus St. Petersburg für Wodka festgelegt. Gemeint ist Dmitri Mendelejew, der an der dortigen Universität lehrte. Die Geschichte ist hartnäckig, aber falsch. Mendelejews Doktorarbeit von 1865 behandelte Mischungen von Alkohol und Wasser oberhalb von 70 Prozent, mit Wodka hatte sie nichts zu tun. Die 40-Prozent-Regel bestand in Russland zudem bereits seit 1843, als er erst neun Jahre alt war.

Er saß später, 1895, tatsächlich in einer Kommission, die sich mit Alkoholsteuern beschäftigte. Belegen lässt sich dort aber kein einziges Wort von ihm über die richtige Stärke von Wodka. Populär wurde die Legende erst ein Jahrhundert später, vor allem durch ein sowjetisches Sachbuch von 1991. An der Universität, wo Mendelejew tatsächlich forschte, hätte ihn diese Zuschreibung vermutlich selbst überrascht.

Was tatsächlich im Glas ankommt, ist einfacher zu beschreiben. Russian Standard schmeckt nach Angaben der Brennerei rein und leicht süßlich, geprägt vom Winterweizen und dem weichen Ladogawasser. Eine auffällige Schärfe im Abgang bleibt dabei aus. Tsarskaya Gold von Ladoga bringt durch den Auszug aus Linde und Honig eine feine Süße mit, die den reinen Alkoholgeschmack abrundet.

Beide Wodkas zeigen damit, wie stark Rektifikation den Geschmack glättet. Statt kräftiger Aromen von Getreide oder Kartoffel steht bei russischem Wodka eher die Textur im Vordergrund. Es geht um die Frage, ob er am Gaumen ölig oder eher wässrig wirkt, und ob eine feine Süße oder eine leichte Schärfe im Abgang bleibt.

Zum Probieren reicht ein kleines, schmales Glas. Die Temperatur sollte knapp über dem Gefrierpunkt liegen, kälter als jeder Kühlschrank es normalerweise schafft. Erst kurz am Glasrand riechen, dann einen kleinen Schluck im Mund halten, statt ihn sofort hinunterzuschlucken. So zeigt sich, ob ein Wodka wirklich rein wirkt oder nur kalt genug ist, um Fehler zu verstecken.

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