
Kalt & Klar
Verkosten
Wodka aus Weizen der Kama-Region schmeckt in der Regel weich und leicht süßlich im Antrunk. Die Filtration sorgt dabei für einen sauberen, kurzen Abgang, wenn sie sorgfältig gearbeitet ist. Roggenanteile aus nördlicheren Lagen bringen dagegen eine würzigere, manchmal fast pfeffrige Note mit.
Drei Beispiele aus dem Sortiment von Tatspirtprom zeigen die Bandbreite. „Staraja Kasan“, auf Deutsch „Altes Kasan“, verweist im Namen auf die historische Stadt und ihre Brenntradition. „Chanskaja“, „Die des Khans“, erinnert an die Zeit des Kasaner Khanats vor der russischen Eroberung 1552. „Goluboje Osero“, „Blauer See“, ist nach den echten Blauen Seen benannt, karstigen Quellseen nordwestlich von Kasan.
Verkostet wird Wodka in der Region klassisch gekühlt, aber nicht eisig kalt. Zu kalt betäubt die Zunge und verdeckt Fehler ebenso wie Aromen. Aus einem kleinen, schmalen Glas riecht man zuerst kurz. Dann folgt ein kleiner Schluck, den man im Mund verteilt, statt ihn sofort hinunterzuschlucken.
Ein sauber gearbeiteter Wodka brennt kaum im Hals und hinterlässt keinen bitteren oder öligen Nachgeschmack. Beides wären Zeichen unvollständiger Filtration. Süße oder Weichheit allein sagen wenig. Beide Eigenschaften entstehen auch nachträglich durch Zucker oder Glycerin, was die GOST-Norm innerhalb bestimmter Grenzen erlaubt.
Wer mehrere Wodkas der Region nebeneinander probiert, merkt die Unterschiede meist erst im Vergleich. Beim ersten Glas allein fallen sie selten auf. Erst der zweite oder dritte Wodka im Glas daneben zeigt, wie unterschiedlich Weizen und Roggen wirklich schmecken.