
Snaps & Gesang
Trinkkultur
In Schweden trinkt man Snaps selten einfach so, meistens geht ein kurzes Lied voraus, eine Snapsvisa. Jemand am Tisch stimmt an, alle singen mit, und erst danach heben sich die kleinen, eiskalten Gläser gemeinsam. Diese Tradition ist jung, verglichen mit der Brennerei selbst, sie entstand erst im späten neunzehnten Jahrhundert unter Studenten und wohlhabenden Bürgern.
Zu den festesten Terminen für Snaps und Gesang gehören Mittsommer und das Krebsessen im Spätsommer. Dann sitzt man an langen Tischen im Freien. In Skåne kommt noch ein eigener Termin dazu, der Mårtensgås-Abend im November, ein Gänseessen mit Wurzeln im dänischen Süden Schwedens. Zu diesem Fest gehören ebenfalls Snaps und Lieder, ganz wie zu Mittsommer und Krebsessen.
Getrunken wird der Wodka aus Åhus dabei fast immer pur und eiskalt, aus kleinen Gläsern, die kaum größer sind als ein Fingerhut. Das Glas wird in einem Zug geleert, nicht genippt. Danach stellt man es sichtbar wieder ab, ein kleines Ritual. Es signalisiert allen am Tisch: Jetzt ist die Reihe am Nächsten, ohne dass jemand ein Wort darüber verlieren muss.
Diese Runden folgen ungeschriebenen, aber klaren Regeln. Niemand trinkt allein los, das Lied gehört dazu wie das Anstoßen. Wer zu oft nachschenkt, gilt schnell als unhöflich gegenüber der Tischrunde. Snaps ist in Skåne wie im übrigen Schweden weniger ein Getränk für nebenbei als ein gemeinsamer, kurzer Programmpunkt eines Festessens.