
Norden trinkt anders
Skandinavisches Smörgåsbord und Snaps
Im Norden Europas begleitet nicht Wodka allein, sondern oft der verwandte Snaps ein großes, kaltes Buffet, das Smörgåsbord. Diese Station zeigt, wie dieses Buffet aufgebaut ist und was Aquavit und Snaps von klassischem Wodka unterscheidet.
Was ein Smörgåsbord ausmacht
Ein Smörgåsbord ist ein großes, kaltes Buffet aus Schweden. Es wird heute in ganz Skandinavien zu Festtagen wie Weihnachten oder Mittsommer gedeckt. Auf dem Tisch stehen mehrere Sorten Hering, geräucherter Lachs, kalter Braten, Käse und verschiedene Brotsorten gleichzeitig. Jeder Gast bedient sich selbst und stellt seinen eigenen Teller zusammen. Mehrere kleine Teller statt eines großen gelten dabei als üblich.
Die Reihenfolge ist dabei nicht zufällig. Man beginnt beim Fisch, geht weiter zu kaltem Fleisch und Eiergerichten und endet bei Käse und süßen Beilagen. Zu jedem dieser Gänge kann ein eigenes kleines Glas Snaps gereicht werden, oft passend zur jeweiligen Speise gewürzt. Wer die Reihenfolge durcheinanderbringt, gilt schnell als Anfänger am Tisch. Erfahrene Gäste erkennen den Ablauf oft schon am ersten Blick auf den Tisch.
Aquavit und Snaps: Verwandte des Wodkas
Aquavit wird wie Wodka meist aus Getreide oder Kartoffeln gebrannt. Danach kommen Gewürze wie Kümmel, Dill oder Anis dazu, was ihm eine deutlich kräftigere Note gibt. Snaps ist in Skandinavien eher eine Trinkweise als eine feste Spirituose. Gemeint ist jeder kurze, eiskalte Schluck aus einem kleinen Glas, egal ob Aquavit oder klarer Wodka.
Der Unterschied zum osteuropäischen Wodka-Trinken liegt vor allem in der Würzung. Russischer und polnischer Wodka bleibt meist neutral. Viele skandinavische Snaps-Sorten dagegen tragen von Anfang an ein eigenes Gewürzaroma, das zum jeweiligen Fischgericht passend ausgewählt wird. Dill-Aquavit zu Hering ist dafür ein bekanntes Beispiel. Wer beide Sorten nebeneinander probiert, schmeckt den Unterschied sofort.
Trinklieder und feste Rituale
Zum Smörgåsbord gehören in Schweden oft kurze Trinklieder, sogenannte snapsvisor. Sie werden vor dem gemeinsamen Schluck gesungen. Erst nach dem Lied und dem Zuruf skål, was so viel wie Wohl bedeutet, wird das Glas geleert. Wer zu früh trinkt, wird von der Runde freundlich ermahnt. Manche Lieder dauern nur wenige Sekunden, andere ziehen sich über mehrere Strophen.
Dieses Ritual ähnelt dem russischen Trinkspruch vor jedem Glas, auch wenn Inhalt und Ton völlig anders klingen. In Skandinavien steht eher der gemeinsame Gesang im Vordergrund. In Russland und Polen zählt dagegen eher ein kurzer, oft persönlicher Trinkspruch. Beide Rituale verlangsamen aber auf ähnliche Weise das Trinktempo.
Was sich davon zu Hause umsetzen lässt
Ein vollständiges Smörgåsbord braucht Vorbereitung und viele Zutaten. Schon eine kleine Auswahl aus zwei Heringssorten, geräuchertem Lachs und Knäckebrot vermittelt aber den Charakter dieser Tradition. Dazu passt gekühlter Aquavit oder ein neutraler Wodka in kleinen Gläsern.
Wer die skandinavische und die osteuropäische Sakuska-Tradition vergleicht, erkennt denselben Grundgedanken hinter unterschiedlicher Würzung. Beide setzen auf kalte, salzige oder saure Speisen als festen Teil eines Abends mit hochprozentigem Getränk. Keine der beiden Traditionen behandelt das Essen als bloße Beilage danach.
Käse und Süßes zum Abschluss
Am Ende eines Smörgåsbords steht meist Käse, oft mit Preiselbeermarmelade oder Senffrüchten. Danach folgt manchmal ein süßes Gebäck oder Beerenkompott. Zu diesem letzten Gang trinkt man meist nur noch Kaffee, keinen Snaps mehr. Der Übergang vom Salzigen zum Süßen verläuft dabei fließend.
Diese klare Abfolge unterscheidet das Smörgåsbord von einem reinen Trinkabend. Es bleibt ein Essen mit Getränk dabei, nicht ein Trinken mit Essen dabei. Genau diese Balance macht die skandinavische Tafel für viele Gäste angenehm. Wer zu früh beim Käse ankommt, verpasst leicht einen der vorherigen Gänge.