
Kohle ohne Mythos
Filtration
Auf vielen Etiketten klingt Filtration nach Magie. Birkenkohle, Quarzsand, manchmal Silber, jedes Verfahren hat seine eigene Werbegeschichte. Was technisch dahintersteckt, ist deutlich nüchterner.
Am bekanntesten ist die Filtration durch Birkenkohle, gewonnen aus verkohltem Birkenholz. Der verdünnte Wodka läuft dabei in mehreren Durchgängen hindurch. Manchmal folgt noch eine Stufe aus Aktivkohle vor der Abfüllung, auch in der Brennerei in Nemyriv.
Die Kohle bindet tatsächlich einen Teil der letzten Fuselöle. Auch leicht ölige Nebenprodukte bleiben daran hängen, die selbst eine gute Kolonne nicht restlos abtrennt. Das macht den Wodka im Mund runder. Ihre Wirkung bleibt aber begrenzt: Ein technisch sauber gebrannter Spiritus verändert sich durch Kohle nur noch in Nuancen.
Quarzsand wird in ähnlicher Weise eingesetzt, meist als mechanischer Filter gegen letzte Trübstoffe. Gegen Geschmacksstoffe wirkt er kaum. Silberfiltration, mit der manche Marken werben, ist vor allem eine Erzählung. Silber tötet zwar Bakterien ab, aber in einem Spiritus mit über vierzig Prozent Alkohol gibt es davon ohnehin keine mehr.
Nach Angaben der Brennerei setzt auch Nemiroff auf mehrstufige Filtration. Die genauen Materialien und die Zahl der Stufen legt sie nicht offen. Dieses Muster ist in der gesamten Branche üblich.
Was am Ende bleibt, ist ein handwerklich sauber gemachter, aber im Kern neutraler Wodka. Die Filtration poliert das letzte Quäntchen Rohheit weg, mehr nicht. Wer einen deutlichen Unterschied zwischen kohlefiltriertem und unfiltriertem Neutralspiritus schmecken will, muss schon sehr genau hinschmecken. Das gelingt geschult und im direkten Vergleich, nicht beiläufig aus dem Gefrierfachglas.