
Budmo & Gastfreundschaft
Trinkkultur
Zum ersten Toast eines Abends gehört fast immer das Wort Budmo. Es heißt so viel wie lasst uns sein oder auf uns. Erst wenn alle das Glas gehoben haben, wird getrunken, nie vorher allein. Wer den Toast ausspricht, wechselt reihum. So kommt an einem langen Abend jeder einmal an die Reihe.
Ein Glas Wodka steht hier nie ohne Sakuska auf dem Tisch. Dazu zählen kleine, salzige oder saure Häppchen wie eingelegte Gurken, Salo, also gepökelter Speck, oder ein Stück Schwarzbrot. Sie werden nach jedem Schluck gegessen, nicht davor. So fangen sie die Schärfe des Alkohols sofort ab.
Getrunken wird eiskalt und pur, in kleinen Gläsern, die in einem Zug geleert werden, nicht in Schlucken. Wodka mit Eiswürfeln zu strecken gilt als Stilbruch. Die Kälte kommt aus dem Gefrierfach der Flasche, nicht aus dem Glas.
Bei Festen wie Hochzeiten oder größeren Feiern folgen die Trinksprüche einer stillen Regel. Auf fröhliche Anlässe wird eine ungerade Zahl Mal angestoßen, bei Trauerfeiern eine gerade. Diese Zählweise ist über weite Teile Osteuropas verbreitet und gilt auch hier, von Kiew bis Poltava.
Nachschenken übernimmt traditionell der Gastgeber, nicht die Gäste selbst. Ein leeres Glas gilt als stille Aufforderung, es wieder zu füllen. Wer selbst nicht mehr trinken will, dreht sein Glas einfach um oder deckt es mit der Hand ab.
Der letzte Trinkspruch eines Abends gilt traditionell dem Weg nach Hause, na pososchok, wörtlich für den Wanderstock. Es ist ein kleiner, letzter Schluck, der die Gesellschaft endgültig beschließt.