
Kartoffel, Traube, Ahorn
Verkosten
Wer amerikanischen Craft-Wodka nebeneinander probiert, schmeckt schnell, wie sehr der Rohstoff durchkommt, obwohl das Gesetz das lange verboten hatte. Kartoffelwodka aus Idaho wirkt oft runder und leicht cremig am Gaumen. Im Abgang bleibt eine dezente erdige Süße. Die Farbe bleibt in allen Fällen wasserklar, wie es die US-Norm für Wodka verlangt.
Hangar 1 aus Alameda bringt über die Viognier-Traube eine blumige, fast parfümierte Note mit. Sie erinnert eher an einen Grappa als an klassischen Wodka. Vermont Gold Vodka wird laut Brennerei aus reinem Ahornsaft und Wasser gebrannt. Nach Angaben des Herstellers zeigt er Noten von weißem Pfeffer, gerösteten Holznoten und einer leichten Karamellsüße. Solche Angaben stammen von der Brennerei selbst und sind keine unabhängige, neutrale Prüfung durch Dritte.
Beim Verkosten hilft ein einfacher Ablauf. Das Glas erst leicht schwenken, kurz daran riechen, dann einen kleinen Schluck im Mund verteilen, bevor man schluckt. Zwischen zwei Proben lohnt sich ein neutraler Bissen, etwa ein Stück Brot. Ein Glas Wasser zwischendurch hilft zusätzlich, die Zunge zurückzusetzen, damit der nächste Wodka nicht vom vorherigen überdeckt wird.
Temperatur verändert den Eindruck stark. Stark gekühlt wirken alle drei Wodkas glatter und unauffälliger. Bei Zimmertemperatur treten Rohstoffnoten wie die Kartoffelsüße oder die Traubenblüte deutlicher hervor. Genau deshalb verkosten Fachleute Wodka oft bei leicht erhöhter Temperatur, nicht eisgekühlt direkt aus dem Gefrierfach. Zimmertemperatur bedeutet hier meist knapp über null Grad, direkt aus dem Kühlschrank, nicht Raumtemperatur wie bei Wein.