
Konzerne und Craft
Die größten Brauereien der Welt
Die größte Brauerei der Welt ist AB InBev. Nach dem Bericht des Hopfenhändlers BarthHaas braute der Konzern 2024 rund 495 Millionen Hektoliter, gut ein Viertel des Weltbieres. Dahinter folgen Heineken und China Resources Snow. Gleichzeitig gibt es so viele kleine Brauereien wie seit Jahrzehnten nicht.
Wie aus Brauereien Weltkonzerne wurden
Lange war Bier ein regionales Produkt. Es ist schwer, voluminös und verdirbt, also wurde es nahe am Kunden gebraut. Kältetechnik, Eisenbahn, Flasche und Dose änderten das schrittweise. Im 20. Jahrhundert kauften große Brauereien kleinere auf, zuerst im eigenen Land, ab den 1990er Jahren über Grenzen hinweg.
Die wichtigsten Schritte der jüngeren Zeit: 2008 übernahm die belgisch-brasilianische InBev den US-Konzern Anheuser-Busch, Hersteller von Budweiser, und nannte sich danach AB InBev. 2016 folgte der Kauf des britisch-südafrikanischen Konkurrenten SABMiller. Heineken aus Amsterdam und Carlsberg aus Kopenhagen wuchsen ebenfalls durch Zukäufe in Afrika, Asien und Lateinamerika. Japanische Gruppen wie Asahi kauften europäische Marken, darunter 2017 Pilsner Urquell.
Wer braut das meiste Bier? Die Zahlen
Der jährliche Bericht von BarthHaas listet die 40 größten Brauereigruppen. Für 2024 nennt er AB InBev mit 495,49 Millionen Hektolitern, das sind 26,4 Prozent der Weltproduktion. Heineken folgt mit 240,7 Millionen Hektolitern, China Resources Snow Breweries mit 108,8 Millionen. Die 40 größten Gruppen brauten zusammen rund 86 Prozent des Bieres der Welt.
Die Weltproduktion insgesamt lag 2025 nach BarthHaas knapp unter 1,9 Milliarden Hektolitern. Sie wächst kaum noch: In Europa und Nordamerika wird weniger getrunken, in Teilen Afrikas und Asiens mehr. Auch Politik verschiebt die Liste. Russland stellte die Carlsberg-Tochter Baltika unter staatliche Kontrolle; sie wird im Bericht inzwischen als eigenes Unternehmen geführt.
Was gehört zu wem? Marken und Eigentümer
Viele bekannte Namen gehören heute Konzernen, ohne dass es auf dem Etikett steht. Beck's, Spaten und Löwenbräu gehören zu AB InBev, Pilsner Urquell zu Asahi, Staropramen zu Molson Coors. An der Münchner Paulaner Brauerei Gruppe ist Heineken mit 30 Prozent beteiligt. Daneben bleiben große Familienbrauereien wie Krombacher, Warsteiner, Veltins oder die Bitburger Braugruppe unabhängig, und mit Hofbräu München und Rothaus brauen sogar zwei Länder.
Für Trinker heißt das: Eine Marke mit langer Ortsgeschichte kann heute in einem Weltkonzern stecken. Das sagt nichts über die Qualität, wohl aber darüber, wer über Rezept, Standort und Preis entscheidet.
Ein bekanntes Beispiel für die Folgen ist der Streit um den Namen Budweiser. Die Stadt České Budějovice, auf Deutsch Budweis, hat eine eigene Brauerei, Budějovický Budvar, gegründet 1895. Anheuser-Busch verkauft sein Budweiser seit 1876. Seit über hundert Jahren streiten beide vor Gerichten in vielen Ländern um die Namen Budweiser und Bud. Deshalb heißt das tschechische Bier in den USA teils Czechvar, während AB InBev in Teilen Europas unter Bud verkauft.
Craft Beer: die Gegenbewegung
Als Antwort auf einheitliches Massenlager entstanden ab den späten 1970er Jahren in den USA kleine Brauereien, die alte und neue Stile brauten. Sierra Nevada, 1980 in Kalifornien gegründet, ist ein frühes Beispiel. Der US-Brauerverband Brewers Association definiert Craft-Brauer heute als klein, unabhängig und als echte Brauer: höchstens sechs Millionen Barrel im Jahr und zu weniger als 25 Prozent im Besitz eines Alkoholkonzerns, der selbst kein Craft-Brauer ist.
Die Konzerne reagierten, indem sie erfolgreiche Craft-Brauereien kauften. In Deutschland gibt es für Craft keine Rechtsdefinition. Hier gibt es nach Angaben des Brauer-Bundes rund 1.500 Brauereien, viele davon klein und regional, obwohl der Bierabsatz 2025 mit rund 78 Millionen Hektolitern auf einen Tiefstand fiel. Konzentration und Vielfalt wachsen so gleichzeitig: wenige Riesen, die den Großteil brauen, und viele Kleine, die die Stile am Leben halten.