
USA, Island, Finnland
Prohibition und Bierverbote
Prohibition bedeutet Alkoholverbot. In den USA galt es von 1920 bis 1933, in Finnland von 1919 bis 1932. In Island war starkes Bier sogar bis zum 1. März 1989 verboten. Die Verbote veränderten Brauereien, Biere und Trinkgewohnheiten bis heute.
Prohibition in den USA: 1920 bis 1933
Die Abstinenzbewegung war in den USA im 19. Jahrhundert stark gewachsen. Kirchen, Frauenvereine und die Anti-Saloon League kämpften gegen Alkohol, den sie für Armut und Gewalt in Familien verantwortlich machten. Im Ersten Weltkrieg kam ein weiteres Motiv dazu: Viele große Brauereien gehörten deutschstämmigen Familien, und Bier galt plötzlich als Feindgetränk.
Der 18. Verfassungszusatz, 1919 ratifiziert, verbot Herstellung, Verkauf und Transport berauschender Getränke. Das Volstead-Gesetz legte die Grenze bei 0,5 Prozent Alkohol fest. Am 17. Januar 1920 trat das Verbot in Kraft. Brauereien schlossen oder hielten sich mit Malzsirup, Eiscreme, Limonade und schwach alkoholischem Near Beer über Wasser.
Das Ergebnis ist bekannt: Schmuggel, illegale Bars und organisierte Kriminalität wuchsen. Im April 1933 erlaubte der Kongress wieder Bier mit bis zu 3,2 Gewichtsprozent Alkohol. Am 5. Dezember 1933 hob der 21. Verfassungszusatz die Prohibition ganz auf.
Was die Prohibition mit dem amerikanischen Bier machte
Von den vielen Hundert Brauereien vor 1920 öffnete nach 1933 nur ein Teil wieder. Die Überlebenden waren meist große Betriebe, die mit Massenproduktion, Flaschen und später Dosen den Markt beherrschten. Ein Bier, das möglichst vielen schmeckt, hell, mild und oft mit Mais oder Reis gebraut, setzte sich durch. Die Vielfalt der Vorkriegszeit war weg. Erst die Craft-Bewegung ab den späten 1970er Jahren holte sie zurück.
Bis heute regeln die US-Bundesstaaten Alkohol sehr unterschiedlich, weil der 21. Verfassungszusatz die Zuständigkeit ausdrücklich bei ihnen ließ. Manche Landkreise sind noch immer trocken, also ohne jeden Alkoholverkauf, und in vielen Staaten müssen Brauereien ihr Bier über einen Großhändler verkaufen, statt es direkt an Läden und Gaststätten zu liefern. Auch dieses dreistufige System aus Brauer, Großhandel und Einzelhandel ist ein Erbe der Prohibition, das die junge Craft-Szene lange behindert hat.
Island: 74 Jahre ohne starkes Bier
In einer Volksabstimmung 1908 stimmten die Isländer für ein vollständiges Alkoholverbot, das am 1. Januar 1915 in Kraft trat. Es bröckelte schnell. Spanien drohte, keinen isländischen Fisch mehr zu kaufen, wenn Island keinen spanischen Wein importiere; ab 1922 war Wein wieder erlaubt. Nach einer Volksabstimmung 1935 folgten Spirituosen.
Nur Bier mit mehr als 2,25 Prozent Alkohol blieb verboten. Die Begründung: Bier sei billig und leicht zu trinken und verführe deshalb besonders junge Menschen zu regelmäßigem Konsum. Erst am 1. März 1989 fiel das Bierverbot. Der Tag wird in Island bis heute als Bjórdagurinn gefeiert, der Biertag.
Finnland: Prohibition und Staatsmonopol
Das finnische Parlament beschloss schon 1907 ein Alkoholverbot, in Kraft trat es am 1. Juni 1919. Auch hier blühten Schmuggel und Schwarzbrennerei. In einer Volksabstimmung am 29. und 30. Dezember 1931 stimmten 70,5 Prozent für die Abschaffung, bei einer Beteiligung von nur 44,4 Prozent.
Am 5. April 1932 öffnete das staatliche Unternehmen Alko seine Läden. Statt Verbot gab es jetzt ein Monopol: Der Staat kontrolliert den Verkauf stärkerer Getränke. Dieses Modell gibt es in abgewandelter Form bis heute in Finnland, Schweden und Norwegen. Leichteres Bier ist dort im Supermarkt zu haben, stärkeres nur im Monopolgeschäft.
Was die Bierverbote gemeinsam haben
Ob in den USA, in Island oder in Finnland: Die Verbote entstanden aus ernsten sozialen Sorgen um Gesundheit, Armut und Gewalt, und sie scheiterten jeweils daran, dass ein großer Teil der Bevölkerung weiter trinken wollte und dafür Schmuggler, Schwarzbrenner und illegale Schenken in Kauf nahm. Geblieben sind fast überall strenge Regeln für Verkauf, Werbung und Steuern, mit denen Staaten heute versuchen, den Alkoholkonsum zu dämpfen, ohne ihn ganz zu verbieten.
Für das Bier selbst hatten die Verbote eine überraschende Nebenwirkung, denn sie begünstigten leichte und alkoholarme Sorten, die oft vom Verbot ausgenommen waren. Das isländische Leichtbier unter 2,25 Prozent und das amerikanische Near Beer sind entfernte Vorläufer der alkoholfreien Biere, die heute in Deutschland einen wachsenden Anteil am Markt haben.