
Hochlagen-Muskat
Frucht & Rohstoff
Eine einzige Rebsorte trägt den Singani: Muscat of Alexandria, im Deutschen Muskat von Alexandria genannt. Die weiße, großbeerige Traube duftet nach Blüten und Muskat und wird sowohl für Wein als auch für den Brand gelesen. Das unterscheidet Singani von Pisco, bei dem verschiedene Sorten zugelassen sind, und von Cognac, für den vor allem Ugni blanc dient.
Entscheidend ist die Höhe. Die Herkunftsbezeichnung verlangt Reben auf mindestens 1 600 Metern, und im Süden Boliviens liegen viele Weinberge zwischen 1 700 und 2 100 Metern. Dort ist die Sonne kräftig, die Nächte sind kühl, und die Trauben reifen langsam. Gerade der Muskatduft profitiert von langsamer Reife.
Rund um Tarija liegen die wichtigsten Anbaugebiete, etwa im Valle de la Concepción und bei Uriondo, dazu das Cinti-Tal weiter nördlich. Die Reben wachsen in engen Tälern zwischen trockenen Hängen. Kleine Betriebe und größere Häuser teilen sich die Hänge.
Gelesen wird auf der Südhalbkugel im Spätsommer, ungefähr zwischen Februar und April. Wer für den Brand erntet, braucht Trauben mit genug Zucker für den Alkohol, aber auch mit frischem Duft, damit der fertige Singani nach Muskat schmeckt und nicht nach Rosine.
Anders als bei Grappa, der aus den Pressrückständen entsteht, wird beim Singani Wein gebrannt. Die Trauben werden also erst gepresst und der Saft vergoren. Wie das im Detail abläuft, zeigt die nächste Station. Wichtig für das Verständnis: Der Name Singani gehört nur dem Brand aus dieser Traube und aus diesen Höhenlagen. Eine Muskattraube aus dem Flachland dürfte ihn nicht tragen, so verlangt es die Herkunftsbezeichnung. Gerade die Höhe schafft also den Anspruch, den die Bolivianer mit dem Namen verbinden.