
Muskat und Pflaume
Frucht & Rohstoff
Wenn für die Rakia von Sliven gelesen wird, entscheidet die Süße. Nach der technischen Akte kommen die Trauben erst in den Korb, wenn sie technisch reif sind und mindestens 19 Prozent Zucker mitbringen. Verarbeitet werden Muscat Ottonel, Tamyanka und Perle de Csaba, drei aromatische Muskatsorten. Auch die Straldjanska Muscatova rakya baut auf Muscat Ottonel, und ihr Duft erinnert an Rosen und Rosengeranie.
Eine Obergrenze steckt schon im Rohstoff: Aus 100 Kilogramm Trauben dürfen höchstens 75 Liter Wein gewonnen werden, der anschließend gebrannt wird. Die Rakia von Sliven stammt also aus Wein und nicht aus den Resten der Kelterung. Gerade bei Muskat zählt dieser Unterschied, denn die Blume der Traube soll im Glas ankommen.
Wie verschieden die Früchte schmecken, zeigen die Akten der Nachbarorte. Die Bourgaska Muscatova rakya ist farblos bis hellgelb, riecht nach Muskat, schmeckt nach Trockenfrüchten und trägt einen Hauch Vanille. Die Karnobatska grozdova rakya erinnert dagegen an reife Trauben mit Anklängen an Apfel und Feige.
Ganz anders ist die Frucht im Norden. Die blauen Pflaumen für die Troyanska slivova rakya wachsen in der Gemeinde Troyan, in den nördlichen Vorbergen des Balkangebirges. Die technische Akte nennt die besondere Mischung der Pflaumensorten, die überlieferte Technik und die Reifung in kleinen Eichenfässern als Gründe für den Geschmack. Im Glas dominiert die Pflaume, begleitet von Eiche und Vanille.
Warum gerade Muskat? Die technische Akte aus Sliven hält fest, dass die drei Sorten zu den Anbaubedingungen im Gebiet passen und besonders aromatisch sind. Aus Wein, der nach Rose und Geranie duftet, entsteht eben ein Destillat, das nach Rose und Geranie duftet.