
Riesling auf Schiefer
Frucht & Rohstoff
Im Oktober, wenn die Pressen an der Mosel laufen, bleibt nach jeder Füllung ein fester Kuchen aus Schalen, Kernen und Stielen zurück. Das ist der Trester, und an der Mosel besteht er überwiegend aus Riesling. Mehr als die Hälfte der Rebfläche trägt diese Sorte, in den Jahren 2015 bis 2022 waren es gut 5.300 Hektar von knapp 9.000 Hektar im ganzen Anbaugebiet, zu dem auch Saar und Ruwer gehören.
Der Riesling wächst hier auf Devonschiefer, der vor rund 400 Millionen Jahren entstand. Viele Lagennamen enden auf „-lay“, vom keltischen Wort „ley“ für Schiefer. Der dunkle Stein speichert die Wärme des Tages und gibt sie nachts an die Reben ab, was dem Wein seine Frische und Spannung lässt.
Dazu kommt die Steillage. Als Steillage gelten Hänge mit mehr als 30 Prozent Gefälle, die sich in der Regel nicht mit Maschinen bewirtschaften lassen. Der Arbeitsaufwand wird auf das 2,5- bis 3,8-Fache flacher Lagen geschätzt. Die Mosel gilt als größtes zusammenhängendes Steillagengebiet der Welt, und der Calmont zwischen Bremm und Ediger-Eller mit bis zu 68 Grad Neigung als einer der steilsten Weinberge überhaupt.
Für den Trester hat das praktische Folgen. Wer ihn brennen will, braucht Trauben, die gesund gelesen wurden, denn Fäulnis im Lesegut wandert mit in den Brand. In den Steilhängen kommt ohnehin jede Traube von Hand in den Eimer, und das Auslesen am Hang ist die erste Qualitätsprüfung, lange vor der Kelter.
Neben dem Riesling steht an der Obermosel der Elbling, eine alte, frische Sorte, deren Trester ebenfalls anfällt. Was in den Brennkessel kommt, richtet sich also nach der Rebe des jeweiligen Hangs, und das macht Tresterbrand von der Mosel zu einem Produkt des Jahrgangs und der Lage.