
Vesper und Mostbesen
Essen & Brauchtum
Zur Alb gehört der Mostbesen, eine schlichte Wirtschaft, in der es Most und etwas Kaltes dazu gibt. Auf dem Brett liegen Landjäger, Schwartenmagen, Leberkäse und Schinkenwurst, dazu Brot und Essiggurke. Das schwäbische Vesper ist ein kaltes Essen, bei dem nichts gekocht wird, und Most und Obstbrand passen dazu, weil beide aus denselben Wiesen kommen wie das Obst in der Schale daneben.
Warm geht es mit Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle zu. Das Gericht gilt als schwäbisches Nationalgericht: Die Spätzle werden aus Ei, Mehl, Wasser und Salz gemacht und traditionell vom Brett geschabt, dazu kommen Linsen und Saiten, die den Wiener Würstchen ähneln. Schupfnudeln und Kartoffelsalat gehören ebenfalls auf den schwäbischen Tisch, die Kartoffel kam im 18. Jahrhundert.
Ein Obstler nach dem Essen gilt vielerorts als Verdauungshilfe. Wer es glaubt, hat oft eher die Entspannung gemeint als eine schnellere Verdauung. Als Digestif schmeckt ein kleines Glas Obstler oder Birnenbrand, weil sein trockener, fruchtiger Ton nach fettem Vesper und süßem Most wieder aufräumt.
Im Herbst, wenn die Äpfel und Birnen reif sind, beginnt die Erntezeit der Wiesen, und die Gegend füllt sich mit Besuchern der Mostereien und Obstbrennereien. Das Biosphärengebiet nennt in seiner Streuobst-Broschüre Mostbesen, Mostereien und Brennereien als Anlaufstellen. Brauch und Landschaft hängen eng zusammen, denn ohne Nachfrage nach Most und Brand würden viele alte Bäume gar nicht mehr geerntet. Wer einen Mostbesen besucht, trinkt deshalb einen Becher Most und hilft zugleich mit, dass die Wiese neben dem Dorf weiter beerntet wird.