
Tulpe, Raumtemperatur
Verkosten
Ein guter Obstler vom Albtrauf riecht zuerst nach dem, woraus er gemacht ist. Wer das Glas schwenkt und kurz daran schnuppert, findet Apfelschale, reife Birne, manchmal Heu oder Nuss. Scharfe, lösungsmittelartige Töne sind ein Fehler und deuten auf einen schlecht getrennten Vorlauf. Der Duft sollte ruhig sein, nicht stechend.
Ob Obstler oder Birnenbrand im Glas ist, der Duft bündelt sich an der Öffnung eines Nosing-Glases oder einer kleinen Tulpe. Ein dickwandiges Stamperl aus der Wirtschaft ist hübsch, verschließt die Aromen aber mehr, als es sie freigibt. Zu viel Alkohol im Glas überdeckt die Frucht, deshalb genügen wenige Zentimeter Füllhöhe.
Getrunken wird bei Zimmertemperatur, eher kühl als warm. Ein sehr kalter Brand riecht nach nichts, ein warmer nach Alkohol. Wer vorher Wasser trinkt und zwischendurch ein Stück Brot isst, schmeckt am Ende mehr.
Beim Birnenbrand aus Mostbirnen lohnt der Vergleich mit einem Obstler aus demselben Jahr. Der Birnenbrand wirkt schlanker, der Obstler runder und breiter. Beim Nachlauf zeigt sich, ob der Brand sauber gearbeitet ist: Bleibt eine feine Fruchtnote zurück, ist es gelungen; schmeckt er kurz und rau, lag es oft an der Maische.
Probiert wird mit kleinem Schluck und Pausen, nicht schnell hintereinander. Obstbrand ist stark, und wer fährt, trinkt ihn nicht. Zu einer Verkostung gehört auch ein Blick auf das Etikett: Steht „Obstler“ darauf, sind es mindestens 85 Prozent Äpfel und Birnen, steht dort „Birnenbrand“, ist es Birne und nichts anderes. Beim Mostbirnenbrand fällt auf, wie sehr der Duft an die Sorte gebunden ist, die im Oktober von den Hochstämmen fiel.