
Glas und Temperatur
Verkosten
Wie schmeckt Armagnac? Ein junger Bas-Armagnac riecht nach Dörrpflaume, Orange und Vanille und fühlt sich warm und rund an. Mit den Jahren kommen Tabak, Leder und das hinzu, was Kenner Rancio nennen: eine nussige, würzige Alterstönung, die an alte Fässer und Kellerluft erinnert.
Für einen Armagnac nimmt man ein Nosing-Glas oder eine Tulpe, die sich nach oben verjüngt und die Aromen bündelt. Ein weit offener Schwenker lässt den Alkohol zu stark aufsteigen und verdeckt die feinen Töne.
Im Mund wirkt ein junger Brand zuerst fruchtig und warm, dann tritt die Eiche mit leichter Bitterkeit hervor. Bei sehr alten Jahrgängen verschiebt sich das Gewicht zu getrockneten Früchten, Gewürz und einem langen, weichen Abgang, den man minutenlang spürt.
Serviert wird bei Zimmertemperatur; wer das Glas lange in der Hand hält, wärmt den Brand ohnehin leicht an. Ein einzelner Tropfen Wasser kann die Aromen öffnen, besonders bei Abfüllungen um 50 Prozent vol.
Zum Vergleichen taugen drei Adressen. Darroze in Roquefort füllt Brände einzelner Güter getrennt ab. Das Château de Laubade in Sorbets bringt Jahrgänge heraus, im Handel taucht etwa ein 1945er auf. Das Château du Tariquet bei Eauze hat sortenreine Folle blanche mit Stärken von 47,5 bis 50,5 Prozent vol. Alle drei sind nur Beispiele, denn die Auswahl am Markt wechselt.
Zuerst am Glas riechen, dann einen kleinen Schluck im Mund halten und langsam schlucken. Nach einer Minute lohnt der Duft des leeren Glases, denn dort sammeln sich oft die schwereren Aromen. Bei 40 Prozent vol und mehr reicht ein kleines Glas für viele Minuten.