
Trauben und Kalk
Frucht & Rohstoff
Auf den Hügeln östlich von Condom steht Ugni blanc, dieselbe Rebe, die auch den allergrößten Teil des Cognacs liefert. Sie trägt einen säurereichen, alkoholarmen Weißwein, und genau das ist zum Brennen ein Vorteil: Die Säure hält den Wein frisch, und weil wenig Alkohol im Wein steckt, bleibt beim Destillieren das Aroma stärker konzentriert.
Das Lastenheft erlaubt zehn Rebsorten, von Baco blanc über Folle blanche bis Colombard. Im Gers wächst neben Ugni blanc häufig Colombard, dieselbe Traube, aus der auch die frischen Weißweine der Côtes de Gascogne entstehen.
Welche Trauben für Armagnac gelesen werden, hängt am Boden. In der Ténarèze liegt kalkhaltiger Lehm. Er speichert Wasser über den Sommer, und der Kalk gibt dem Wein Spannung. Branchenkenner sagen darum, der Brand von hier reife später aus als der aus dem sandigen Westen: Er braucht schlicht mehr Zeit im Fass.
Gelesen wird im Herbst. Für Brennwein wird eher etwas früher geerntet als für Tischwein, damit die Säure bleibt; auf hohe Süße kommt es nicht an. Danach wandern die Trauben in die Presse, und was bleibt, ist kein Fruchtmus wie bei einem Obstbrand, sondern ein Saft, der zu Wein werden soll.
Im Osten, rund um Auch, ist der Wein eine Kultur unter vielen. Die Reben stehen zwischen Feldern und Waldstücken, die Flächen sind kleiner, und der Anteil an der Armagnac-Erzeugung bleibt gering. Die Böden sind hier kälter und kalkreicher, die Weine entsprechend straffer, mit einer Säure, die später im Brand noch zu spüren ist.