
Eiche und Geduld
Reifung & Lagerung
Wie lange muss Armagnac reifen? Mindestens ein Jahr in Eiche, gezählt ab dem 1. April nach dem Befüllen des Fasses. Danach darf er auf die Flasche, und im Handel braucht er mindestens 40 % vol. Alles darüber hinaus ist eine Frage des Hauses, nicht des Gesetzes.
Traditionell lagert Armagnac in 400-Liter-Fässern aus schwarzer Eiche, die aus dem Wald von Monlezun in der Gascogne stammt. Dieses Holz ist dicht und tanninreich und gibt Gewürze ab, ist aber knapp geworden. Heute kommt Eiche aus Limousin und Tronçais häufiger zum Einsatz.
Ein erfahrener Kellermeister füllt den frischen Brand zunächst in neue Fässer, damit er schnell Farbe und Struktur aufnimmt. Nach einigen Monaten zieht er ihn in ältere Fässer um, die kaum noch Gerbstoff abgeben. So verhindert er, dass der Brand zu holzig wird. Die Ténarèze braucht diese Schritte besonders, denn ihr Destillat gilt als das kräftigste und reift später aus.
Altersangaben auf dem Etikett beziehen sich immer auf den jüngsten Bestandteil. Ein XO muss seit 2018 mindestens zehn Jahre alt sein, genau wie beim Cognac. Delord füllt auch Jahrgänge ab, zum Beispiel einen Ténarèze von 1979. Das Jahr auf dem Etikett ist dann das Jahr der Lese, nicht der Abfüllung.
Die Blanche Armagnac bricht mit alldem. Sie liegt nach dem Brennen mindestens drei Monate in einem inerten Behälter, meist Edelstahl, der nichts abgibt, und bleibt farblos. Weil sie nie im Holz war, schmeckt sie nach Traube und nach dem Wein, aus dem sie entstand, nicht nach Fass.