
Raki und Mezedes
Essen & Brauchtum
Mezedes und Raki gehören auf Kreta zusammen. In Heraklion gibt es Rakadika, kleine Lokale, in denen man zum Raki mehrere kleine Teller teilt, ganz ohne Hauptgang. Zum Glas kommt oft etwas, das man selbst nicht bestellt hat.
Typisch ist Dakos, ein Teller aus hartem Gerstenzwieback, belegt mit gehackten Tomaten, Mizithra oder Feta, Oliven, Oregano und Olivenöl. Das Salz und das Öl fangen die Kraft des Brandes ab, deshalb schmeckt die Tsikoudia dazu weicher.
Auch Antikristo passt: Lamm oder Ziege, die auf Holzspießen im Kreis um ein Feuer gegart werden, bis zu sechs Stunden, aus der Hirtenküche der Insel. Das Fleisch gart in seinem eigenen Fett, und ein Glas Raki danach vertreibt die Schwere. Zum Abschluss kommen Kalitsounia, kleine Teigtaschen mit Käse, manchmal süß mit Honig.
Dazu kommt die Gastfreundschaft. Wer auf Kreta zu Besuch kommt, bekommt nach der Begrüßung oft ein Glas Raki eingeschenkt, ebenso am Ende einer Mahlzeit. Das ist ein Zeichen von Freundschaft und kein Verkauf, und man lehnt es höflich, aber nicht schroff ab.
Im Herbst wird es gemeinschaftlich. Wenn die Kazani glüht, treffen sich Nachbarn und Verwandte am Kessel, und neben dem Feuer gibt es Essen, Gespräche und das erste frische Glas. Rakomelo, mit Honig und Zimt, ist im Winter der Begleiter für kalte Abende, und wer nur ein Glas will, nimmt es klar.
Zum Abschied gibt es auf Kreta häufig noch ein zweites Glas, und Gastgeber stellen es selten hin, ohne dass etwas Kleines auf dem Teller liegt. Der Brand bleibt Begleiter des Gesprächs und ersetzt keinen Gang.