
Klar und kräftig
Verkosten
Eine Tsikoudia öffnet man am besten wie jeden Tresterbrand: ein kleines, schlankes Glas, eine Tulpe oder ein Nosing-Glas, wenig eingeschenkt. Auf Kreta trinkt man sie dagegen aus winzigen Gläschen, die man mehrfach nachfüllt und nicht ausschwenkt.
Zuerst die Nase. Frische Tsikoudia riecht nach Traubenschalen, nach Rosinen und trockenen Kräutern, manchmal nach Mandel und Heu. Wärmt man das Glas in der Hand, tritt der Alkohol stärker hervor, deshalb hält man es lieber am Stiel, wenn eines da ist, und nimmt nur kleine Schlucke.
Im Mund ist die Tsikoudia trocken, geradlinig und kräftig, ohne die Süße eines Likörs. Im Abgang bleiben Traube und eine leichte Bitternote. Das ist anders als bei Ouzo, wo Anis alles überdeckt, und anders als bei der Zivania aus Zypern, die mit ihrer höheren Stärke oft etwas schärfer anmutet.
Kühl, aber nicht eiskalt serviert, bleiben die Aromen am deutlichsten. Wer sehr kalt trinkt, verliert die Traubennoten und schmeckt vor allem Alkohol. Wasser zum Nachspülen steht daneben, und Verkosten heißt hier nicht, möglichst viel zu trinken, sondern in Ruhe zu vergleichen.
Als Beispiele zum Vergleichen taugen die Tsikoudia of Crete, die Zivania aus Zypern, ein Rakomelo mit Honig und, als Gegenstück, ein Ouzo mit Anis. Diese vier Gläser auf einem Holztisch, daneben ein paar Trauben, zeigen schneller als jede Beschreibung, was der Name Raki auf Kreta bedeutet und was nicht.