
Meist ungereift
Reifung & Lagerung
Wie lange lagert Tsipouro? Meistens kaum. Die klassischen Flaschen sind ungereifte, klare Brände, die nach dem Brennen einige Zeit in Edelstahl, Glas oder neutralen Behältern ruhen, bis sich die Aromen gesetzt haben. Die EU schreibt für Tresterbrand keine Reifezeit vor.
Einzelne Häuser bieten gereifte Varianten an, die im Holzfass Farbe und Würze annehmen. Dann gilt eine Regel der EU: Eine Altersangabe darf nur nennen, was dem jüngsten Bestandteil in der Flasche entspricht. Ein Hinweis auf zehn Jahre bedeutet deshalb, dass alles im Glas mindestens so alt ist.
Ganz anders Metaxa. Ist Metaxa ein Brandy? Nach heutigem EU-Recht nein. Spyros Metaxa gründete sein Haus 1888 in Piräus, und es mischt nach eigenen Angaben Weindestillat mit Muskatwein und einem Bouquet aus Rosenblättern und mediterranen Kräutern. Gereift wird in Eichenholz.
Früher stand auf dem Etikett „Cognac“, bis 1937, danach „Brandy“, bis 1987. Seither heißt es „Original Greek Spirit“. Metaxa ist eine Spirituose eigener Art und keine Unterkategorie von Weinbrand. Das Haus gehörte ab 1989 zu Grand Metropolitan und seit 2000 zu Rémy Cointreau.
Die Eichenreifung verbindet Metaxa mit Cognac und Armagnac, doch der Weg dorthin ist ein anderer. Wer Tsipouro und Metaxa nebeneinanderstellt, schmeckt zwei Gegenpole: klaren Trester, kaum gereift, und eine braune Mischung, im Holz abgerundet. Beide gehören zu Griechenland, rechtlich haben sie wenig miteinander zu tun.
Zwischen Brennen und Abfüllen wird der Brand mit Wasser auf Trinkstärke herabgesetzt, das ist bei Tresterbrand erlaubt und üblich. Süßen darf man ihn bis zu 20 Gramm je Liter, die klassischen Flaschen bleiben aber trocken. Gelagert wird dunkel und kühl, weil Licht und Wärme die zarten Muskataromen schneller verblassen lassen.