
Klar im Glas
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Wie schmeckt Tsipouro, und wie trinkt man ihn richtig? Ein guter Tsipouro riecht nach frischen Traubenschalen, Blüten und einem Hauch Steinobst, im Mund ist er trocken und warm, ohne die Süße eines Likörs. Mit Anis tritt eine Lakritznote darüber, die den Traubenton nicht ganz verdecken sollte.
Zum Vergleichen eignen sich drei Häuser. Katsaros und Kardasis stehen für Tyrnavos, wo Tsipouro Stadtgeschichte ist. Idoniko von Domaine Costa Lazaridi bei Drama steht für Makedonien. Wer die Flaschen nebeneinanderstellt, merkt schnell, wie weit Rebsorte und Handschrift des Brenners auseinanderliegen.
Ein Nosing-Glas oder eine kleine Tulpe bündelt die Aromen am besten. In Griechenland kommt Tsipouro dagegen in winzigen Gläsern auf den Tisch, traditionell zu 25 Milliliter und deshalb Ikosipentari genannt. Früher gab es sogar noch kleinere Portionen, den Daktylithres, übersetzt Fingerhut.
Die Temperatur macht viel aus. Leicht gekühlt, aber nicht eiskalt, bleiben die Muskataromen hörbar, ganz kalt verstummen sie. Mit Anis gibt mancher einen Schuss Wasser dazu, das nimmt dem Brand die Schärfe und öffnet die Würze.
Zum Probieren riecht man erst am leeren Glas, dann am gefüllten, und verteilt nur ein paar Tropfen auf der Zunge. Beim Nachhall zeigt sich die Qualität: Bei einem guten Brand bleibt Traube, bei einem schlechten Lösungsmittel. Als Gegenprobe taugt Metaxa, bernsteinfarben, süßlicher, mit Rose und Kräutern.
Beim Riechen hilft es, in drei Etagen zu denken. Oben liegen die flüchtigen Düfte von Blüte und Traube, in der Mitte Gewürz und Kräuter, unten die warmen Töne von Trester und Schale. Fehler zeigen sich als Essigstich oder als Klebstoffnote, ein sauber gebrannter Tsipouro riecht klar und ohne Beigeschmack.