
Branda und Barolo
Region & Geschichte
Grappa piemontese heißt der Tresterbrand, der im Piemont aus den dort zugelassenen Rebsorten gebrannt und abgefüllt wird, und er trägt seit dem 12. Juni 1989 eine eigene geschützte geografische Angabe. Am selben Tag wurde die Grappa di Barolo eingetragen, die ausschließlich aus dem Trester von Barolo-DOCG-Wein stammen darf. Im Dialekt nennen die Piemontesen den Brand „branda“. Wer beide Namen vergleicht, erkennt den Unterschied sofort: Die eine darf aus jeder zugelassenen Sorte entstehen, die andere nur aus dem Trester eines einzigen Weins.
Die Tradition reicht weit zurück. Nach Angaben der Grappa-Branche entstand in Turin schon 1739 eine Zunft der Konditoren und Aquavit-Brenner. Gebrannt wurde, was nach dem Keltern in der Presse blieb: Schalen, Kerne und Stiele. Wo so viel Wein wächst wie in den Langhe, im Roero und im Monferrato, fällt davon jeden Herbst eine Menge an. Die Weinlandschaften zählen seit 2014 zum UNESCO-Welterbe, und in Canelli gehören die unterirdischen Keller dazu.
Drei Häuser prägen das Bild bis heute. Carlo Bocchino kehrte 1898 aus Argentinien zurück und eröffnete in Canelli eine Brennerei; das Haus gilt als einer der ersten Betriebe, die den Moscato-Trester ernst nahmen. Paolo Berta begann 1947 in Nizza Monferrato, seit 2002 arbeitet die Familie in Mombaruzzo bei Asti, inzwischen in dritter Generation. Und 1977 gründete Paolo Marolo, damals Lehrer an der Önologenschule, mit seinem Bruder im Familienhaus von Mussotto d'Alba die Distilleria Santa Teresa, benannt nach einem Fresko der heiligen Teresa von Ávila.
Nordwestlich schließt das Aostatal an. Die Grappa della Valle d'Aosta ist seit 2018 als eigene geografische Angabe eingetragen: Die Trauben wachsen im Tal und werden dort verarbeitet, der Trester wandert in kleine Brennblasen.