
Teroldego und Äpfel
Frucht & Rohstoff
Aus welchen Trauben entsteht Grappa trentina? Aus keiner besonderen, denn der Brand wird aus Trester gemacht, aus Schalen, Kernen und Stielen, die nach der Weinlese im Keller übrig bleiben. Das Besondere liegt in den Sorten: Im Trentino stammen die Trester oft von heimischen Reben wie dem roten Teroldego und dem weißen Nosiola.
Der Teroldego wächst vor allem in der Piana Rotaliana bei Mezzocorona und Mezzolombardo, der Marzemino weiter südlich bei Isera im Vallagarina. Weil Trester rasch zu verderben beginnt, wandert er nach dem Keltern zügig in die Brennerei.
Beim Obst kommt eine zweite Landschaft ins Spiel: Im Val di Non und im Val di Sole stehen nach Angaben des Trentiner Tourismus rund 7.000 Hektar Obstanlagen, die mehr als 4.000 Bauern bewirtschaften. Aus Äpfeln entsteht auch der Distillato di mele trentino, der einen eigenen Herkunftsnamen trägt.
Daneben tragen Kirschen, Aprikosen, Zwetschgen und Williams-Birnen eigene Namen im Register: Kirsch Trentino, Aprikot trentino, Sliwovitz trentino und Williams trentino. Hinter jedem steht ein Obstbrand aus vergorener Frucht, also ein Obstwasser im Sinne der EU-Verordnung, kein Geist aus eingelegten Früchten.
Ein Sonderfall ist die Genziana trentina: Statt Frucht liefert die Wurzel des Gelben Enzians den Stoff, und nach der Spezifikation müssen die Wurzeln in der Provinz Trient gewachsen und verarbeitet worden sein. Vergoren und gebrannt ergeben sie einen herben, erdigen Brand.
Fachwissen zu Reben und Obst hat im Trentino eine feste Adresse: Am 12. Januar 1874 beschloss der Tiroler Landtag in Innsbruck, im ehemaligen Kloster San Michele all'Adige eine Landwirtschaftsschule mit Versuchsstation einzurichten. Der Österreicher Edmund Mach übernahm die Leitung; er kam aus dem Önologie- und Pomologie-Institut in Klosterneuburg. Heute trägt die Einrichtung seinen Namen: Fondazione Edmund Mach.