
Brennerhäuser seit 1870
Region & Geschichte
Grappa trentina, der Tresterbrand aus der Provinz Trient, trägt seit 1989 einen geschützten Herkunftsnamen, und mit ihm sechs weitere Brände: Distillato di mele, Williams, Kirsch, Sliwovitz, Aprikot und Genziana. Jeder dieser Namen steht als geografische Angabe im EU-Register.
Gebrannt wurde im Trentino aber lange, bevor es einen Herkunftsschutz gab. Als Edoardo Bertagnolli und Giulia de Kreutzenberg ihren Betrieb 1870 bei der Handelskammer in Bozen eintragen ließen, gehörte das Trentino zu Tirol und damit zur Habsburgermonarchie. Die Distilleria Bertagnolli in Mezzocorona gilt als älteste Brennerei der Provinz Trient.
Die Nachkriegsjahre brachten die nächste Welle. Nach Angaben des Hauses gründete Ferruccio Giori 1946 die Giori Distillati Trentini. 1949 lieferten Winzer in Brancolino bei Nogaredo den ersten Trester für Sabina und Attilio Marzadro, die in einer kleinen, direkt befeuerten Kupferblase brannten, gebaut von einem Kupferschmied aus der Gegend.
1957 kam in Faver im Val di Cembra die Brennerei der Familie Pilzer dazu. Das Istituto Tutela Grappa del Trentino wurde 1960 gegründet, um die Grappa trentina zu schützen und bekannt zu machen.
Was der Herkunftsschutz hier bedeutet: Der schlichte Name Grappa ist ganz Italien vorbehalten, ein Zusatz wie trentina grenzt ihn auf eine einzelne Provinz ein. Brände aus Obst und Wurzeln folgen demselben Gedanken, denn auch ihre Namen sind an das Trentino gebunden.
Heute führen Familien die Häuser: Bei Marzadro steht seit 2005 ein neuer Betrieb in Nogaredo, und schon 1975 brachte das Haus nach eigenen Angaben eine sortenreine Grappa aus Marzemino-Trester von Isera heraus, damals eine Neuheit. Wer den Namen Grappa trentina auf einer Flasche sieht, hat also sehr verschiedene Betriebe vor sich: ein Haus mit Wurzeln im 19. Jahrhundert neben einer Familie, in der Alessandro Marzadro die dritte Generation vertritt.