
Eiche und Jahre
Reifung & Lagerung
Aus dem klaren Destillat wird armenischer Brandy erst im Eichenfass: Nach Angaben der Häuser reift er in Fässern aus Eichenholz der Region, und dort bekommt er Farbe, Vanille und Gerbstoffe. Je länger er liegt, desto mehr tritt das Holz zurück, und der Brand wird runder und nussiger.
Die EU verlangt für Brandy mindestens ein Jahr Eiche in Behältern ab 1.000 Litern oder sechs Monate in kleineren. Armenische Abfüllungen liegen oft weit darüber. Auf den Flaschen stehen Jahre: Ararat füllt etwa einen Brandy mit drei Jahren ab, daneben ältere Abfüllungen wie die Reihe Vaspurakan mit fünfzehn Jahren.
Die Zahl auf dem Etikett bezieht sich auf den jüngsten Anteil im Verschnitt, nicht auf den ältesten. Ein Fünfzehnjähriger enthält also nur Destillate, die mindestens fünfzehn Jahre im Fass lagen, mag aber auch ältere beigemischt haben. Das ist eine Frage der Etikettenregeln, nicht des Geschmacks.
Im Fass verdunstet über die Jahre ein Teil des Inhalts durch das Holz, den man den Anteil der Engel nennt. Je wärmer und trockener der Keller, desto mehr geht verloren. Zucker bis 35 Gramm je Liter und Zuckerkulör sind bei Brandy erlaubt, deshalb sagt die Farbe allein nichts über das Alter.
Anders als der Brandy aus Jerewan bleibt Oghi in der Regel ein klarer, ungelagerter Brand. Er wird nach dem Brennen verdünnt, ruht einige Zeit und kommt in Flaschen oder Krüge auf den Tisch. Gerade das macht seinen Charakter aus: Die Frucht steht vorn, kein Holz verdeckt sie.