
Brandy und Oghi
Brandstil
Armenischer Brandy ist im rechtlichen Sinn ein Weinbrand: ein Weindestillat, im Eichenfass gereift, mit mindestens 36 Prozent vol, im Handel meist 40. Der stilistische Unterschied zum Cognac liegt in den Regeln. Cognac schreibt Rebsorten wie Ugni blanc, den Charentaiser Brennkessel, ein Brennende zum 31. März und zwei Jahre Eiche vor. Für armenischen Brandy gibt es bisher keine vergleichbare Herkunftsregel der EU, ein EU-Projekt hilft beim Aufbau einer eigenen Herkunftsangabe.
Im Glas zeigt das einen anderen Schwerpunkt. Wo die Rebsorten Voskehat und Kangun und die Eiche aus der Region mitspielen, kann ein reifer Brandy Richtung Trockenfrucht, Nuss und Gewürz gehen, während ein junger noch nach Vanille und frischem Holz schmeckt. Das ist eine Tendenz, kein Gesetz, denn jedes Haus verschneidet nach eigener Handschrift.
Der zweite Leitbrand ist der Oghi. Das Wort wird oft mit Wodka übersetzt, doch gemeint ist ein Fruchtbrand: Tuti-Oghi aus Maulbeeren, dazu Aprikosenbrand, auch aus Pflaumen, Birnen oder Feigen. Als Obstbrand ist er vergorene Frucht, die destilliert wurde. Im Deutschen heißt der Aprikosenbrand auch Marillenbrand, gemeint ist dasselbe Prinzip mit einer anderen Frucht.
Der Obstgeist läuft dagegen anders: Unvergorene Früchte werden in Alkohol angesetzt und das Mazerat wird gebrannt. Oghi gehört nicht dazu, er entsteht aus Maische und ist deshalb ein Obstbrand mit voller Fruchtnote. Beide Arten brauchen nach EU-Recht mindestens 37,5 Prozent vol. Der Geist darf höchstens 10 Gramm Zucker je Liter bekommen, der Obstbrand bis zu 18.
Wer beides nebeneinanderstellt, probiert zwei Seiten desselben Landes: den bernsteinfarbenen Brandy aus Jerewan und den klaren Oghi vom Hof.
Armenischer BrandyWein- und Traubenbrand · Weißweintrauben, u. a. Voskehat
- Alkohol
- 40 % vol
- Reife
- 3–15 Jahre
Bernstein, Eiche und Trockenfrucht, rund und mild; der Ton wächst mit den Jahren im Fass.