
Rüben und Wurzeln
Region & Geschichte
Seit wann wird in Tirol Schnaps gebrannt? Ein fürstliches Rechnungsbuch aus den Jahren 1322 bis 1332 führt aqua vitae auf, das „Wasser des Lebens“, das damals vor allem als Arznei galt. So steht es im Verzeichnis traditioneller Lebensmittel des österreichischen Landwirtschaftsministeriums.
Zur Sache der Bauern wurde das Brennen später, und Maria Theresia hat dabei Spuren hinterlassen. Unter ihrer Herrschaft, zwischen 1740 und 1780, erhielten Höfe in der Wildschönau das Vorrecht, aus Stoppelrüben zu brennen, ursprünglich waren es 51. Der Wildschönauer Krautinger durfte nur dort entstehen und in keinem anderen Landstrich der Monarchie. Auch für den Osttiroler Pregler ist die Tradition bis in ihre Zeit dokumentiert.
Eine eigene Geschichte hat der Enzian. Etwa zwischen 1650 und 1800 lag die Blütezeit des Grabens und Brennens von Enzianwurzeln in Tirol, und ein Landesmandat von 1700 untersagte beides im ganzen Land. Die Wurzel ist seither ein Brand mit Nachgeschmack, den es nur in den Bergen gibt.
Heute lebt die Tradition in vielen kleinen Betrieben. Die Tiroler Schnapsroute verbindet über vierzig Brenner in Nord- und Osttirol, die ihre Türen für Verkostungen öffnen. Zu den bekanntesten Namen zählt Rochelt in Fritzens im Inntal. Dort begann der gelernte Koch Günter Rochelt nach Berichten in einer Garage zu brennen und wollte den Bauernschnaps auf ein neues Niveau heben. Seine Brände erkennt man an der grünen Flasche.
Den Rahmen setzt das Recht. Der Osttiroler Pregler ist als geografische Angabe in der EU geschützt. Beim steuerfreien Hausbrand der Landwirte hat Tirol eine Sonderregel: Angehörige und Dienstnehmer dürfen je 6 statt 3 Liter reinen Alkohol brennen, die Obergrenze liegt bei 50 statt 27 Litern.