
Ruhe im Glas
Reifung & Lagerung
Frisch gebrannt wirkt ein Fraxner Kirsch noch scharf und unruhig, die Aromen haben sich nicht gefunden. Mit der Ruhe wird er runder, und die Frucht tritt deutlicher hervor. Er ruht deshalb zunächst, meist in Glasballons oder Edelstahltanks, die den Geschmack nicht verändern. Holz ist für Obstbrände erlaubt, kommt bei Kirsch aber selten zum Einsatz, weil es die Frucht überdecken würde.
Wie lange ein Brand ruht, bestimmt jede Brennerei selbst. Vorgeschriebene Altersstufen wie VS oder XO beim Cognac kennt der Obstbrand nicht. Angaben wie „alt“ oder „Reserve“ sind Hausbezeichnungen. Nennt ein Etikett eine Jahreszahl, muss sie sich auf den jüngsten Anteil im Brand beziehen.
Zum Schluss wird der Brand mit Wasser auf Trinkstärke herabgesetzt. Beim Fraxner Kirsch liegt sie nach den Angaben aus dem Ort zwischen 40 und 45 Prozent vol. Man gibt das Wasser langsam zu und lässt den Brand danach noch einmal ruhen, damit sich Alkohol und Aroma verbinden.
In Lustenau zeigt sich, wie weit das Sortiment reichen kann. Die Destillerie Freihof stellt neben klaren Obstbränden auch Liköre und Spirituosen-Spezialitäten her, bei der Privatbrennerei Hämmerle stehen daneben die klassischen Brände aus Kirsche, Himbeere, Marille und Williams-Birne.
Wer Whisky kennt, erwartet Fassreife und goldene Farbe. Beim klaren Obstbrand ist das Gegenteil das Ziel: Er bleibt farblos, die Frucht soll ohne Holzton ins Glas. Färben ist verboten, Zuckerkulör zur Farbanpassung ist nur nach mindestens einem Jahr im Holz erlaubt.