
Ruhe im Behälter
Reifung & Lagerung
Frisch aus der Blase ist jedes Destillat rau, und auch ein Medronho braucht danach Zeit, bis er rund wird. Die EU schreibt für Obstbrand allerdings keine Mindestreife vor, und anders als beim Weinbrand gibt es keine Pflicht zur Eiche. Bei einem Brand aus der Serra de Monchique bestimmt deshalb vor allem die Arbeit davor den Charakter, nicht das Lager.
Ruhen darf der Brand deshalb dort, wo der Hersteller es für richtig hält. Bei Obstbränden üblich sind neutrale Behälter wie Glasballons und Edelstahl, früher auch Steingut, weil sie das Fruchtaroma nicht verändern. Der Duft von Beeren ist flüchtig, und neutrale Gefäße bewahren ihn so, wie er aus der Blase kommt. Ein farbloser, klarer Brand ist die Folge, und genau so kennen die meisten Leute den Medronho.
Holz ist nicht verboten. Wo es zum Einsatz kommt, färbt es den Brand und gibt ihm Töne, die mit der Frucht nichts zu tun haben. Gefärbt werden darf ein Obstbrand sonst nicht. Zuckerkulör, also Karamellfarbe, ist nur erlaubt, wenn er mindestens ein Jahr Kontakt mit Holz hatte.
Altersstufen wie VS oder XO kennt das EU-Recht für Obstbrand nicht. Steht auf einer Flasche eine Altersangabe, ist sie die Angabe des Hauses und kein Maßstab, den die Verordnung festlegt. Wie lange ein Brand ruht, entscheidet das Haus.
Zum Schluss wird der Brand mit Wasser auf Trinkstärke gebracht. Süßen darf man ihn kaum: Für Obstbrand liegt die Grenze bei höchstens 18 Gramm Zucker je Liter. Medronho gehört zu den Bränden, die man trocken erwartet, ohne Zuckerton.