
Küste bis Douro
Region & Geschichte
Die Aguardente de Vinho Lourinhã, ein portugiesischer Weinbrand aus einer Küstenstadt nördlich von Lissabon, hat etwas, das die meisten Brände nicht haben: eine eigene Region nur für sich. Seit dem 7. März 1992 ist die Lourinhã als Weinbrandregion mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung anerkannt, nach Angaben der Genossenschaft die einzige dieser Art in Portugal. Wer nach portugiesischem Brandy sucht, landet deshalb zuerst bei diesem Namen.
Die Adega Cooperativa da Lourinhã entstand 1957 und füllte anfangs Rot- und Weißwein ab. Erst 1992, als die Region ihren Status bekam, stellte sie sich ganz auf den Brand um. Bis heute destilliert sie den Wein ihrer Mitglieder und lässt das Destillat im Holz reifen.
Auf europäischer Ebene gilt die Aguardente de Vinho Lourinhã seit 2008 als geschützte geografische Angabe. Rechtlich zählt sie zum Branntwein, also zum Weindestillat. Die EU-Verordnung schreibt dafür keine Reifung vor, das Lastenheft der Lourinhã verlangt dagegen mindestens 24 Monate im Holz und eine Abfüllstärke von mindestens 38 % vol.
Vier weitere Weinbrände stehen mit eigenem Namen im EU-Register: Aguardente de Vinho Douro, Alentejo, Ribatejo und aus dem Gebiet der Vinhos Verdes. Aguardente ist dabei das portugiesische Wort für Brand schlechthin. Douro, Alentejo und Ribatejo sind dort seit 1989 eingetragen. Dazu kommen drei Tresterbrände, die Aguardente Bagaceira aus der Bairrada, dem Alentejo und den Vinhos Verdes. Weinbrand entsteht aus Wein, Tresterbrand aus dem Pressrückstand der Trauben.
Im Douro hat der Weinbrand eine ganz andere Aufgabe: Als Zusatz mit 77 % vol stoppt er bei der Portweinbereitung die Gärung des Weins und lässt Zucker im Wein zurück. Der Brand ist dort also kein Endprodukt, sondern Teil eines anderen Getränks. Wie das Aufspriten abläuft, erklärt der Lexikonartikel zu Portwein.