
Land der Pflaume
Region & Geschichte
Im Nordwesten des Kantons Jura, in der Ajoie rund um Porrentruy, wächst eine kleine rote Pflaume, die außerhalb der Region kaum jemand kennt. Aus ihr entsteht die Damassine, ein Pflaumenbrand, der seit 2010 als Damassine AOP geschützt ist. AOP steht für „appellation d'origine protégée“, im Deutschen sagt man geschützte Ursprungsbezeichnung, kurz GUB.
Woher der Name kommt, erzählt man im Jura gern so: Kreuzritter hätten die Pflaume aus Damaskus mitgebracht. Das ist eine Überlieferung, belegt ist sie nicht. Den Antrag auf Schutz des Namens stellten Obstbauern aus der Ajoie gemeinsam mit dem Verein Fruits du Jura.
Das Pflichtenheft des Bundes legt fest, dass alles im Kanton Jura geschieht. Die Pflaume muss dort wachsen, und Lagerung, Gärung, Brennen und Abfüllen dürfen ebenfalls nur dort stattfinden. Jeder Branntwein aus dieser Pflaume, der einen jurassischen Orts- oder Bezirksnamen trägt, muss sich daran halten. Der Kanton selbst ist jung: Seit 1979 ist der Jura ein eigener Kanton, davor gehörte er zu Bern.
Gebrannt wird in der Schweiz unter staatlicher Aufsicht. Die Steuer verwaltet das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit, früher die Eidgenössische Alkoholverwaltung. Landwirte mit eigenem Brenngerät dürfen selbst angebaute Früchte brennen, wer keines besitzt, lässt im Lohn brennen. Brennen ohne Erlaubnis ist verboten.
In Porrentruy zeigt das Museum Ô Vergers d'Ajoie, wie aus Obst Brand, Sirup und Konfitüre wird. Dort fand 2022 auch erstmals die Fête de la Damassine AOP statt, ein Fest für die Frucht, bei dem unter den Erzeugern ein König oder eine Königin der Damassine gekürt wurde.