
Tulpe und Zimmertemperatur
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Wie schmeckt eine Grappa aus dem Tessin? Eine junge Grappa di Merlot riecht nach reifer Pflaume, Brombeere und etwas Mandel, im Mund ist sie trocken, die Kernaromen sind spürbar, und der Abgang bleibt warm. Gereifte Brände zeigen dagegen Vanille, Trockenfrüchte, Kakao und Holzgewürz und wirken runder.
Ein Beispiel für den klaren Stil ist die Grappa Ticinese di Merlot La Fenice von Valsangiacomo. Delea ist ein weiterer Name, nach Berichten reifen Teile des Sortiments sieben bis zwölf Jahre im Fass. Wer vergleicht, stellt einen jungen und einen gereiften Brand nebeneinander.
Das passende Glas ist eine Tulpe oder ein Nosing-Glas mit schmaler Öffnung, damit sich die Düfte oben sammeln und der Alkohol nicht sticht. Die ersten Atemzüge am Glasrand gehören dem Geruch, erst dann folgt ein kleiner Schluck. Wasser daneben hilft, den Gaumen zwischen den Proben zu klären.
Zu kalt serviert, verschließt sich die Grappa. Als Faustregel gelten etwa zehn bis sechzehn Grad, bei gereiften Bränden eher am oberen Ende. Wer das Glas kurz in der Hand wärmt, bemerkt, wie die Aromen aufgehen. Vorsicht ist geboten bei der Menge, denn es geht um kleine Schlucke und nicht ums Trinken.
Auf einen Holztisch gehört dazu ein Stück Weißbrot, ein paar Trauben oder Kastanien und ein Krug mit Wasser. Vor den Proben lohnt ein Blick auf das Etikett: Steht Grappa del Ticino oder Grappa ticinese darauf, ist der Name nach dem Abkommen EU–Schweiz zulässig, und sonst gilt die Bezeichnung des Tals.