
Bernstein im Glas
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Wie probiert man einen Brandy de Jerez? Ein Tulpenglas oder Nosing-Glas, das sich nach oben verjüngt, sammelt die Aromen. Man gießt nur einen kleinen Schluck ein, hält das Glas zuerst auf Abstand und nähert sich in Etappen, weil der Alkohol sonst alles überdeckt. Zimmertemperatur genügt, die Hand wärmt den Brand ohnehin leicht an.
Zuerst kommt die Farbe: Gold bei jungen Solera, Bernstein bis Mahagoni nach langer Reifung. Dann die Nase, die bei Brandy de Jerez meist Rosine, getrocknete Feige, Mandel und Karamell findet, bei älteren Bränden dazu Tabak und Leder. Im Mund ist er weich und eher süß, der Abgang bleibt warm und trägt Holz und Nuss nach.
Drei Beispiele aus der Gran-Reserva-Klasse: Der Lepanto von González Byass, für den Beschreibungen Karamell, getrocknete Mandeln und Tabakblatt nennen. Der Cardenal Mendoza, den sein Anbieter mit Oloroso- und Pedro-Ximénez-Fässern verbindet und den eine Besprechung reicher und süßer nennt. Und der Solera Gran Reserva von Lustau.
Wer vergleichen möchte, stellt einen Solera Reserva neben einen Gran Reserva. Der jüngere Brand riecht nach Holz, Vanille und Traube, der ältere hat mehr Tiefe, mehr Süße und längeren Nachhall. Zwischen den Proben hilft Wasser, damit die Nase nicht ermüdet.
Aus dem Glas lässt sich auch ablesen, wie sauber gearbeitet wurde: Ein guter Brand zeigt Süße und Holz im Gleichgewicht, nichts sticht heraus. Ein Hinweis auf dem Etikett wie Solera Gran Reserva sagt dabei zuerst etwas über das mittlere Alter und erst dann etwas über den Geschmack.