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Mirabelle, Zibärtle, Kriecherl, Damassine: die kleinen Pflaumen

Kleine Früchte, viel Duft

Mirabelle, Zibärtle, Kriecherl, Damassine: die kleinen Pflaumen

Mirabelle, Zibärtle, Kriecherl und Damassine sind kleine Verwandte der Zwetschge, deren Brände oft konzentrierter duften als große Pflaumen. Bekannt sind Mirabelle de Lorraine, das badische Zibärtle, das steirische Kriacherl und die Damassine aus dem Schweizer Jura.

Was sind Mirabellen, Kriecherl und Zibarten?

Neben der großen Zwetschge gibt es eine ganze Familie kleinfruchtiger Pflaumen. Mirabellen sind gelb, rund und kaum größer als eine Kirsche, mit süßem, honigartigem Fleisch. Kriecherl, auch Haferpflaumen genannt, sind kleine, oft halbwilde Früchte aus Hecken und Bauerngärten. Das Zibärtle ist eine seltene Wildpflaume aus dem südlichen Schwarzwald und aus Südbaden. Die Damassine schließlich ist eine kleine rote Pflaume aus dem Schweizer Jura.

Für Brenner haben diese Früchte vieles gemeinsam. Sie sind klein, haben im Verhältnis viel Stein und Haut und bringen ein konzentriertes Aroma mit. Die Ernte ist mühsam, die Ausbeute bescheiden, denn kleine Früchte liefern wenig Saft. Wer solche Brände macht, entscheidet sich bewusst für Duft statt Menge. Entsprechend selten sind sie in großen Regalen zu finden.

Mirabellenbrand aus Lothringen, dem Elsass und dem Schwarzwald

Die Mirabelle ist die bekannteste dieser kleinen Pflaumen. Ihr Brand riecht nach reifer, gelber Frucht, nach Honig und manchmal nach Blüten. Lothringen gilt als ihre Hochburg, und Mirabelle de Lorraine ist seit 1989 als geografische Angabe für den Brand geschützt. Ebenfalls seit 1989 stehen Mirabelle d'Alsace und Schwarzwälder Mirabellenwasser im EU-Register.

Rechtlich ist Mirabellenbrand ein Obstbrand der Kategorie 9 mit einer Methanolgrenze von 1 200 Gramm je Hektoliter reinen Alkohols. Als Kurzbezeichnung erlaubt die Verordnung (EU) 2019/787 das Wort „Mirabellen“. Wer einen Mirabellenlikör kauft, bekommt dagegen ein gesüßtes Getränk mit weniger Alkohol. Am Etikett hilft wie immer die rechtliche Bezeichnung, nicht das Bild der Frucht.

Zibärtle: die Wildpflaume aus Baden

Das Zibärtle, auch Zibarte genannt, gehört zu den seltensten Bränden Deutschlands. Die kleinen Früchte stammen von alten Bäumen im südlichen Schwarzwald und in Südbaden. Als badische Spezialität brennen es unter anderem Scheibel in Kappelrodeck und Schladerer in Staufen im Breisgau. Eine eigene geschützte Herkunftsangabe hat das Zibärtle nicht, es lebt von der Tradition einzelner Brennereien.

Im Glas wird das Zibärtle oft als herb und würzig beschrieben, mit deutlichem Steinton und wilder als jede Mirabelle. Gerade dieser Steinton verlangt Sorgfalt. Bei kleinen Früchten mit großem Steinanteil ist die Blausäuregrenze von 7 Gramm je Hektoliter reinen Alkohols schneller ein Thema als bei großen. Unverletzte Steine und eine dunkle Lagerung des fertigen Brands beugen dem vor.

Kriecherl aus der Steiermark

In Österreich heißen die kleinen Haferpflaumen Kriecherl, in der Steiermark Kriacherl. Das Steirische Kriacherl steht im österreichischen Register der traditionellen Lebensmittel. Die Früchte wachsen häufig an Hecken, Wegrändern und in alten Gärten. Ihr Brand wirkt meist fruchtig und leicht säuerlich, mit einer Wildheit, die an Schlehe erinnern kann.

Für viele Brennereien sind Kriecherl eine Frucht der Nebensaison. Man sammelt, was die Bäume hergeben, und brennt kleine Mengen. Genau darin liegt ihr Reiz. Kein Jahrgang gleicht dem anderen, und der Brand erzählt mehr über einen bestimmten Ort als über eine standardisierte Sorte.

Damassine: die AOP-Pflaume aus dem Jura

Die Damassine ist seit dem 9. März 2010 als Schweizer AOP eingetragen und auf den Kanton Jura beschränkt. Grundlage ist die gleichnamige kleine, rote Pflaume. Wie bei jeder Schweizer AOP stammt die Frucht aus dem Gebiet und wird dort auch verarbeitet. Damit ist die Damassine neben Zuger Kirsch, Walliser Williams und Abricotine eine der vier Schweizer Brand-AOP.

Gemeinsam ist allen kleinen Pflaumen, dass sie zeigen, wie sehr eine einzige Frucht einen Brand prägen kann. Ein Mirabellenbrand und ein Zwetschgenwasser stammen aus nahen Verwandten und schmecken trotzdem völlig verschieden. Wer die Unterschiede kennenlernen will, probiert sie am besten nebeneinander, in kleinen Mengen und mit Wasser zum Neutralisieren.

Kurz unterschieden

Mirabelle
Gelbe Kleinpflaume; der Brand ist als Mirabelle de Lorraine, Mirabelle d'Alsace und Schwarzwälder Mirabellenwasser geschützt.
Zibärtle
Seltene Wildpflaume aus Südbaden; Brand mit herb-würzigem Steinton, ohne eigenen EU-Herkunftsschutz.
Kriecherl
Österreichischer Name der Haferpflaume; das Steirische Kriacherl steht im Register traditioneller Lebensmittel.
Damassine
Kleine rote Pflaume aus dem Kanton Jura; ihr Brand ist seit 2010 Schweizer AOP.

Dazu im Lexikon

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