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Streuobstwiese und Brennerei: Warum alte Bäume gute Brände geben

Hochstamm und Handwerk

Streuobstwiese und Brennerei: Warum alte Bäume gute Brände geben

Streuobstwiesen liefern viele charaktervolle Obstbrände, weil auf ihren hohen, alten Bäumen aromatische und säurereiche Sorten reifen, die im Plantagenanbau kaum vorkommen. Umgekehrt halten kleine Brennereien diese Wiesen am Leben, denn sie verwerten das Obst.

Was ist eine Streuobstwiese?

Eine Streuobstwiese ist eine Wiese oder Weide, auf der hochstämmige Obstbäume locker verstreut stehen. Hochstamm heißt: Die Krone beginnt so hoch, dass darunter gemäht oder Vieh geweidet werden kann. Auf derselben Fläche wachsen Äpfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen verschiedener Sorten und Altersstufen. Gespritzt und gedüngt wird meist wenig, geerntet oft von Hand oder durch Schütteln.

In Deutschland ist der Streuobstanbau seit März 2021 im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes eingetragen. Das würdigt eine Wirtschaftsform, die über Generationen Landschaft, Ernährung und Brauchtum geprägt hat. Streuobstwiesen gelten zudem als besonders artenreiche Lebensräume, in denen Vögel, Insekten und Wildpflanzen Platz finden.

Warum geben alte Sorten gute Brände?

Plantagen setzen auf wenige Tafelsorten, die schön aussehen, gut lagern und gleichmäßig tragen. Für Brände zählen andere Eigenschaften. Alte Streuobstsorten sind oft klein, säurereich und aromatisch, manchmal gerbstoffreich, und sie werden vollreif geerntet. Genau diese Mischung aus Säure, Duft und Reife überträgt sich in Maische und Destillat.

Beispiele finden sich überall. Brennkirschen im Schwarzwald und in der Zentralschweiz wachsen traditionell auf Hochstämmen, in Fraxern in Vorarlberg stehen rund 2 200 davon. Im Mostviertel prägen Mostbirnen wie Speckbirne oder Dorschbirne die Obstkultur. Der Osttiroler Pregler, seit 2019 geschützt, wird aus Äpfeln und Birnen von Plantagen, Streuobstwiesen und Einzelbäumen im Bezirk Lienz gebrannt. In der Steiermark tragen Apfelbrände aus Maschanzker oder Kronprinz Rudolf alte Sortennamen.

Kleine Brennereien als Rückgrat der Streuobstwiese

In Deutschland brennen viele Streuobstbesitzer nicht selbst, sondern liefern ihr Obst an eine kleine Brennerei oder lassen dort brennen. Die typische Form ist die Abfindungsbrennerei, ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Erlaubnis, der jährlich höchstens 300 Liter reinen Alkohol erzeugen darf. Der Alkohol wird dort nicht gemessen, sondern pauschal aus der Rohstoffmenge berechnet.

Diese Betriebe werden weniger. 2023 waren in Deutschland noch 10 931 Abfindungsbrennereien in Betrieb; Zahlen aus früheren Jahren sind wegen einer geänderten Statistik nur eingeschränkt vergleichbar. Rund um Oberkirch im Renchtal wirbt die Region mit etwa 700 Haus- und Hofdestillerien. Wo solche Brennereien schließen, verliert auch das Obst der umliegenden Wiesen einen Abnehmer.

Steuerermäßigung und Stoffbesitzer kurz erklärt

Alkohol aus Abfindungsbrennereien wird in Deutschland ermäßigt besteuert. Der Gesetzgeber begründet das mit dem Erhalt der Streuobstwiesen. Wer eigenes Obst besitzt, aber kein Brenngerät, kann als sogenannter Stoffbesitzer in einer Abfindungsbrennerei brennen lassen: höchstens 50 Liter reinen Alkohol im Jahr und eine Person je Haushalt.

Ohne Erlaubnis zu brennen ist in Deutschland verboten, auch für den Eigenbedarf. Die Einzelheiten zu Erlaubnis, Steuer und Brenngeräten gehören in ein eigenes Kapitel über das Brennrecht. Für die Streuobstwiese genügt eine Einsicht: Ihr Obst wird auf legalem Weg zum Brand, über zugelassene Brennereien, und jede Flasche aus diesem Obst hilft, die Bäume zu erhalten.

Woran erkennt man einen Brand von der Streuobstwiese?

Eine eigene rechtliche Bezeichnung für Streuobstbrand kennt die EU-Spirituosenverordnung nicht. Hinweise geben deshalb andere Angaben: alte Sortennamen, eine genaue Herkunft, manchmal der Name der Wiese oder des Dorfs. Solche Angaben stammen vom Hersteller und sind als Beschreibung des Hauses zu lesen, nicht als geprüftes Siegel.

Im Glas zeigt sich die Herkunft oft durch mehr Säure, mehr Würze und eine Frucht, die weniger glatt wirkt als bei Brand aus Tafelobst. Das ist kein Gesetz, aber eine häufige Erfahrung. Wer Brände aus alten Sorten mit solchen aus Plantagenobst vergleicht, schmeckt am besten nebeneinander und in kleinen Mengen.

Kurz unterschieden

Streuobstwiese
Hochstämme verschiedener Sorten und Alter locker auf Wiese oder Weide; seit 2021 immaterielles Kulturerbe in Deutschland.
Plantage
Niedrige Bäume weniger Tafelsorten in Reihen, gezüchtet auf Ertrag, Aussehen und Lagerfähigkeit.
Abfindungsbrennerei
Kleinbrennerei mit Erlaubnis, höchstens 300 l reiner Alkohol pro Jahr, Alkohol pauschal berechnet.
Stoffbesitzer
Lässt eigenes Obst in einer Abfindungsbrennerei brennen, höchstens 50 l reiner Alkohol pro Jahr.

Dazu im Lexikon

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