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Wie trinkt man Obstbrand richtig?

Langsam und pur

Wie trinkt man Obstbrand richtig?

Obstbrand trinkt man am besten pur, in kleinen Mengen und langsam: aus einem tulpenförmigen Glas, leicht unter Zimmertemperatur, zuerst mit der Nase und dann in kleinen Schlucken. So zeigt ein Kirschwasser oder ein Williams seine Frucht, statt bloß im Hals zu brennen.

Wie trinkt man Obstbrand richtig? Langsam statt in einem Zug

Der Schnaps in einem Zug, aus dem eiskalten Stamperl gekippt, gehört zu den bekanntesten Bildern der Wirtshauskultur. Für einen guten Obstbrand ist das die ungünstigste Art. Was der Brenner über Monate herausgearbeitet hat, ist vor allem ein Duft: der Mandelton einer Kirsche, die Saftigkeit einer Williamsbirne, das Würzige einer Zwetschge. Wer kippt, bekommt davon kaum etwas mit und spürt hauptsächlich den Alkohol.

Verkoster gehen deshalb anders vor. Sie schenken wenig ein, oft zwei Zentiliter, und nehmen sich für dieses kleine Glas mehrere Minuten Zeit. Der Brand bleibt pur, ohne Eis und ohne Limonade. Ein Glas stilles Wasser daneben hilft, zwischen zwei Proben den Mund zu neutralisieren. Mit Etikette hat das wenig zu tun. Es ist einfach die Art, bei der man am meisten von dem schmeckt, was in der Flasche steckt.

Schritt für Schritt: ansehen, riechen, schmecken, nachklingen

Zuerst lohnt ein Blick ins Glas. Ein klassischer Obstbrand ist farblos, weil er nach dem Brennen in Glas oder Edelstahl ruht und kein Holz gesehen hat. Ein goldener Ton verrät Holzreifung. Färben ist bei Obstbrand verboten; Zuckerkulör, also gebrannter Zucker zur Farbanpassung, ist nur erlaubt, wenn der Brand mindestens ein Jahr Kontakt mit Holz hatte.

Dann kommt die Nase. Man hält das Glas leicht schräg und riecht kurz, mit etwas Abstand, statt die Nase tief hineinzustecken. Der erste Eindruck ist oft der Alkohol. Beim zweiten und dritten Mal öffnet sich die Frucht. Wer den Mund dabei leicht öffnet, nimmt dem Alkohol etwas von seiner Schärfe.

Der erste Schluck ist klein und darf einige Sekunden auf der Zunge bleiben. Er gewöhnt den Mund an die Stärke, denn Obstbrände haben mindestens 37,5 Prozent Alkohol, viele 40 Prozent und mehr. Erst der zweite Schluck zeigt, wie der Brand wirklich schmeckt. Danach achtet man auf den Abgang, also darauf, wie lange und wie sauber das Aroma nachklingt. Ein guter Brand klingt nach Frucht aus, ein schwacher nach Brennen im Hals.

Obstbrand, Obstgeist, Obstler: was man jeweils im Glas erwartet

Wer weiß, was er trinkt, riecht genauer. Obstbrand entsteht aus vergorener Frucht. Die Früchte werden eingemaischt, also zerkleinert, die Maische gärt zu einer Art Obstwein, und dieser wird gebrannt. Ein Obstbrand schmeckt deshalb nach reifer, manchmal fast eingekochter Frucht und trägt bei Steinobst einen Hauch Mandel aus dem Kern. Kirschwasser ist dabei nur ein anderer, erlaubter Name für Kirschbrand.

Obstgeist folgt einem anderen Verfahren. Unvergorene Früchte, etwa Himbeeren, werden in Neutralalkohol eingelegt und dann destilliert. Ein Himbeergeist duftet deshalb oft hell und frisch wie die Frucht vom Strauch, wirkt am Gaumen aber leichter. Ein Qualitätsurteil steckt in dem Unterschied nicht, wohl aber eine andere Erwartung an das Glas.

Ein Obstler wiederum ist ein Obstbrand, dessen Maische zu mindestens 85 Prozent aus Äpfeln, Birnen oder beidem besteht. Er riecht nach Kernobst und ist meist geradliniger als ein sortenreiner Williams. Wer einen Obstler neben ein Kirschwasser stellt, merkt schnell, wie verschieden Brände sind, die im Wirtshaus alle einfach Schnaps heißen.

Wann und wozu: Brand als Begleiter, nicht als Mutprobe

Traditionell steht ein Obstbrand am Ende eines Essens. Dass er dort der Verdauung hilft, ist allerdings nicht belegt. Eher verzögert der Alkohol die Magenentleerung sogar. Das Wohlgefühl am Ende einer Verkostung ist Entspannung und keine Verdauungshilfe.

Wer Brände kennenlernen will, probiert besser bewusst und in kleinen Mengen, zum Beispiel zwei oder drei Sorten nebeneinander. Im Vergleich fallen Unterschiede auf, die ein einzelnes Glas nie zeigt. Und Alkohol bleibt Alkohol: Wer fährt, schwanger ist oder einfach nichts trinken möchte, lässt den Brand stehen. Ein guter Gastgeber hat dann eine alkoholfreie Alternative im Schrank.

Kurz unterschieden

Obstbrand
Aus vergorener Frucht gebrannt; riecht nach reifer Frucht, bei Steinobst mit leichter Mandelnote aus dem Kern.
Obstgeist
Unvergorene Früchte in Neutralalkohol eingelegt und destilliert; duftet meist heller und frischer, wirkt leichter.
Obstler
Obstbrand mit mindestens 85 % Äpfeln und/oder Birnen in der Maische; kernobstig und eher geradlinig.

Dazu im Lexikon

Gläser und Grundausstattung für die HausbarAlkoholfreie Alternativen zum Brand
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